Spondylodiszitis

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 28. September 2026 · 48 min

🦠 Spondylodiszitis: Rückenschmerz mit Red Flags

Eine Spondylodiszitis ist eine Infektion von Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörpern. Sie kann zu Destruktion, epiduralem Abszess, neurologischen Defiziten und Sepsis führen.

🚩 Wann muss der Verdacht entstehen?

Neue oder zunehmende Rücken- oder Nackenschmerzen plus:

• Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust

• erhöhtes CRP – auch bei normalen Leukozyten

• Bakteriämie, besonders Staphylococcus aureus

• Endokarditis, Immunsuppression oder i.v.-Drogenkonsum

• kürzliche Operation, Infiltration, Punktion oder Implantate

• Ruheschmerz, Nachtschmerz oder neurologische Symptome

Wichtig: Fehlendes Fieber oder nur moderate Schmerzen schließen die Diagnose nicht aus.

🧫 Erreger und Risikofaktoren

Häufigster Erreger ist Staphylococcus aureus. Weitere relevante Erreger: Streptokokken, Enterokokken, Enterobacterales, koagulasenegative Staphylokokken und Cutibacterium acnes – besonders bei Implantaten.

Risikofaktoren: höheres Alter, Diabetes, Tumorerkrankung, Niereninsuffizienz/Dialyse, Immunsuppression, vorausgegangene Infektionen und invasive Eingriffe.

🔎 Diagnostik

Die Diagnose beruht auf Klinik, Labor, Mikrobiologie und Bildgebung:

• Blutbild, CRP und Blutkulturen: idealerweise 3 Sets innerhalb von 24 Stunden vor Antibiotikagabe.

• Bei negativen Blutkulturen: CT-gesteuerte Biopsie/Punktion für Mikrobiologie und Histologie erwägen.

• MRT mit Kontrastmittel ist die Bildgebung der Wahl.

• Bei Bakteriämie oder passender Erregerkonstellation aktiv nach Endokarditis und Primärfokus suchen.

🚨 Notfallzeichen

Sofortige MRT und dringliche wirbelsäulenchirurgische/neurochirurgische Beurteilung bei:

• Parese, Sensibilitätsstörung oder Gangstörung

• Harnretention, neuer Inkontinenz oder Sattelanästhesie

• Sepsis oder hämodynamischer Instabilität

• Verdacht auf spinalen Epiduralabszess

💊 Therapieprinzipien

Bei stabilen Patientinnen und Patienten zunächst Erregerdiagnostik sichern, dann gezielt behandeln. Bei Sepsis, schwerem Infekt oder neurologischem Defizit: Blutkulturen abnehmen und unverzüglich empirisch antibiotisch behandeln.

• Anschließend konsequente Deeskalation nach Erreger und Resistenz.

• Bakterielle Spondylodiszitis: meist mindestens 6 Wochen Therapie.

• Ein oraler Wechsel ist bei klinischer Besserung, fallendem CRP und geeigneter Substanz möglich.

• Dosierung, Spiegelkontrollen, Organfunktion, Interaktionen und lokale Standards beachten.

🦴 Konservativ oder operativ?

Konservativ möglich bei fehlenden neurologischen Defiziten, ausreichender Stabilität und gutem Ansprechen auf Antibiotika. Frühzeitige, sichere Mobilisierung ist besser als lange Bettruhe.

Operationsindikationen:

• neurologische Kompression oder progrediente Defizite

• epiduraler oder großer paravertebraler Abszess

• Instabilität, Kollaps oder relevante Deformität

• Sepsis oder Therapieversagen

🔩 Sonderfall Implantatinfektion

Akute Infektionen können bei stabilem Material oft mit Débridement und Implantaterhalt behandelt werden. Chronische Infektionen erfordern häufiger Entfernung oder Wechsel des Materials. Biofilmaktive Kombinationen, etwa mit Rifampicin bei Staphylokokken, gehören in infektiologische Mitbetreuung.

📌 Take-home-Message

Rückenschmerz plus Infektzeichen, Bakteriämie oder neurologische Symptome = früh an Spondylodiszitis denken. Blutkulturen abnehmen, MRT veranlassen und bei Sepsis, Instabilität oder neurologischem Defizit keine Zeit verlieren.

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