Osteoporose

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 13. Oktober 2026 · 39 min

🦴 Osteoporose: Frakturen früh verhindern

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung mit verminderter Knochenmasse und gestörter Mikroarchitektur. Sie bleibt oft lange symptomlos und wird häufig erst nach einer Fragilitätsfraktur erkannt.

🎯 Klinische Relevanz

- Fragilitätsfrakturen entstehen bereits bei geringer Gewalt, etwa Sturz aus dem Stand.

- Typische Lokalisationen: Wirbelkörper, proximaler Femur, distaler Radius, proximaler Humerus und Becken.

- Neu auftretende Rückenschmerzen, Größenverlust oder Kyphose können auf Wirbelkörperfrakturen hinweisen.

- Nach einer ersten osteoporotischen Fraktur ist das Risiko weiterer Frakturen deutlich erhöht.

🔍 Diagnostik und Risikoeinschätzung

- Anamnese: frühere Frakturen, Stürze, Größenverlust, Familienanamnese, Medikamente, Ernährung und Mobilität.

- DXA-Messung an LWS und proximalem Femur:

- T-Score ≤ −2,5: Osteoporose

- T-Score zwischen −1 und −2,5: Osteopenie

- Entscheidend ist nicht allein der T-Score, sondern das gesamte Frakturrisiko.

- DVO-Frakturrisiko-Rechner unterstützt Therapieentscheidungen; FRAX ist international etabliert.

- Basislabor hilft beim Ausschluss sekundärer Ursachen und anderer Knochenerkrankungen.

⚠️ Sekundäre Osteoporose mitdenken

Besonders bei Männern, jüngeren Betroffenen, raschem Knochenverlust oder schweren Frakturen aktiv suchen nach:

- Endokrinen Ursachen: Hyperparathyreoidismus, Hyperthyreose, Hypogonadismus, Cushing-Syndrom

- Chronischen Erkrankungen: rheumatoide Arthritis, CED, Zöliakie, Nieren- oder Lebererkrankung

- Immobilität, neurologischen Erkrankungen und Mangelernährung

- Medikamenten, insbesondere systemischen Glucocorticoiden

🏃 Basistherapie für alle

- Calcium: insgesamt meist etwa 1.000 mg/Tag, bevorzugt über die Ernährung

- Vitamin D3: häufig 800–1.000 I.E./Tag

- Gewichttragende Bewegung, Kraft-, Gleichgewichts- und Gangtraining

- Sturzprophylaxe: Sehfähigkeit, Schuhwerk, Wohnumgebung und sturzfördernde Medikamente überprüfen

- Timed-up-and-go-Test als einfacher Praxischeck der Mobilität

💊 Spezifische Therapie

Antiresorptive Optionen:

- Bisphosphonate: Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zoledronat

- Denosumab alle 6 Monate subkutan

Osteoanabole Optionen bei sehr hohem Frakturrisiko:

- Romosozumab

- Teriparatid

- Abaloparatid

Wichtig: Calcium und Vitamin D ersetzen bei hohem Risiko keine spezifische Therapie.

🚨 Therapie-Sicherheitsregeln

- Vor Therapiebeginn: Calcium, Nierenfunktion, Vitamin-D-Versorgung und bei Bedarf Zahnstatus prüfen.

- Orale Bisphosphonate nüchtern mit Wasser einnehmen und mindestens 30 Minuten aufrecht bleiben.

- Denosumab niemals ohne Anschlusskonzept absetzen: Rebound mit multiplen Wirbelkörperfrakturen möglich.

- Nach Denosumab sowie nach osteoanabolen Therapien ist eine antiresorptive Anschlussbehandlung erforderlich.

✅ Take-home-Message

Jede Fragilitätsfraktur ist eine Chance zur Sekundärprävention: Risiko erkennen, Ursachen abklären, Therapie konsequent umsetzen und Stürze verhindern.

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