Klinische Unterschung des Knies

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 19. Oktober 2026 · 35 min

🦵 Thema der Folge

Strukturierte klinische Untersuchung des Kniegelenks bei akuten und chronischen Beschwerden – von funktioneller Anatomie über Anamnese und Untersuchung bis zur Einordnung wichtiger Tests.

🧠 Funktionelle Anatomie

• Knie als Dreh-Scharnier-Gelenk aus Femorotibial- und Femoropatellargelenk

• Menisken: Lastverteilung, Stoßdämpfung und Gelenkführung

• Innenband stabilisiert gegen Valgusstress, Außenband gegen Varusstress

• Vorderes Kreuzband begrenzt vordere Tibia-Translation, hinteres Kreuzband die hintere Translation

• Patella verbessert den Hebelarm des Quadrizeps und damit die Kniestreckung

🚨 Red Flags: zuerst Notfälle erkennen

Dringliche Abklärung bei:

• kaltem, blassem oder pulslosen Bein

• sensiblen oder motorischen Ausfällen

• offener Verletzung, Luxation, Fehlstellung oder Frakturverdacht

• Kompartmentsyndrom

• heißem, stark geschwollenem Knie mit Fieber: Verdacht auf bakterielle Arthritis

• Ausfall des Streckapparats oder großer traumatischer Erguss

🗣️ Anamnese: Der Unfallmechanismus zählt

Wichtige Fragen:

• Torsion, Valgus-/Varusstress, direkter Anprall oder abruptes Abbremsen?

• Knacken oder „Pop“ beim Trauma?

• Zeitpunkt der Schwellung: rasch auftretender Erguss spricht unter anderem für Hämarthros

• Instabilität, Einklemmgefühl, Schnappen oder echte Blockierung?

• Frühere Verletzungen, Operationen, Patellaluxationen und Antikoagulation?

Typische Mechanismen:

• Dashboard-Verletzung → hinteres Kreuzband

• Valgus + Außenrotation bei fixiertem Fuß → mögliche Kombinationsverletzung mit VKB, Innenband und Innenmeniskus

• Trauma an Quadrizeps- oder Patellarsehne → gestörte aktive Kniestreckung

👀 Struktur der Untersuchung

1. Inspektion: Gangbild, Beinachse, Schwellung, Hämatom, Rötung, Patellastellung, Muskelatrophie

2. Palpation: Gelenkspalten, Seitenbänder, Patella-, Quadrizeps- und Patellarsehne, Kniekehle

3. Beweglichkeit: aktiv und passiv, Neutral-Null-Methode, Schmerz und Endgefühl

4. Ergussdiagnostik: tanzende Patella, Bulge-Test

5. Stabilitäts- und Meniskustests: gezielt und schmerzadaptiert

Wichtig: immer Seitenvergleich.

🔎 Wichtige klinische Tests

• Valgus-/Varusstress in Streckung und 20–30° Flexion: Innen- bzw. Außenband

• Lachman-Test: zentral bei Verdacht auf vordere Kreuzbandruptur; Endgefühl beachten

• Vordere/hintere Schublade: VKB bzw. HKB

• Posterior-Sag-Zeichen und aktiver Quadrizepstest: HKB-Insuffizienz

• Pivot Shift: spezifisch für anterolaterale Rotationsinstabilität, aber technisch anspruchsvoll

• Apprehension-Test: Patellainstabilität

• McMurray-, Steinmann-, Apley- und Payr-Test: ergänzende Meniskusdiagnostik

⚠️ Meniskustests richtig einordnen

Kein einzelner Test beweist oder widerlegt einen Meniskusriss sicher. Aussagekräftig wird die Diagnostik erst im Zusammenhang mit Gelenkspaltschmerz, Drehschmerz, mechanischen Symptomen, Unfallmechanismus und gegebenenfalls Bildgebung.

🩻 Bildgebung und Akutmanagement

• Röntgen bei Frakturverdacht

• MRT bei Verdacht auf relevante Band-, Meniskus- oder Knorpelverletzung

• Initial: Entlastung nach Befund, intermittierende Kühlung mit Hautschutz, Kompression und Hochlagerung

• Analgetika und NSAR nur unter Berücksichtigung individueller Risiken und Kontraindikationen

✅ Take-home-Message

Die Knieuntersuchung ist keine Sammlung isolierter Tests. Anamnese, Unfallmechanismus, Inspektion, Palpation, Beweglichkeit, Ergusszeichen und gezielte Provokationstests ergeben gemeinsam den klinischen Befund. Schmerzprovokation um jeden Preis vermeiden – bei Red Flags hat die dringliche Abklärung Vorrang.

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