Schockraummanagment
Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 21. Oktober 2026 · 32 min
🩺 Schockraummanagement: Struktur statt Hektik
Wichtige Angaben:
• Alter, relevante Vorerkrankungen, Dauermedikation und Antikoagulation
• Unfallmechanismus oder Beginn, Verlauf und Leitsymptome
• cABCDE-relevante Befunde und Vitalwerte
• Bereits erfolgte Maßnahmen, Zugänge und Medikamente
• Erwartete Ankunftszeit
Bei instabilen Patientinnen und Patienten hat die Sicherung der Vitalfunktionen Vorrang vor einer direkten Zuweisung in Spezialbereiche wie Herzkatheterlabor oder Stroke Unit.
👥 Team-Briefing vor Ankunft
Das kurze Team-Time-out definiert:
• Teamleitung und klare Rollen
• Erwartete Hauptprobleme
• Plan A und Plan B, etwa bei schwierigem Atemweg
• Zuständigkeiten für Atemweg, Ultraschall, Medikamente, Dokumentation und Kommunikation
• Personal- und Strahlenschutz
🧭 cABCDE: Prioritäten der Akutversorgung
c – Catastrophic hemorrhage
Lebensbedrohliche äußere Blutungen sofort kontrollieren: direkter Druck, Druckverband, Wundtamponade, bei Extremitätenblutung Tourniquet. Anlagezeit dokumentieren.
A – Airway
Atemweg beurteilen und frühzeitig definitive Atemwegssicherung planen. Absaugung, Videolaryngoskopie, Beatmungsbeutel, Kapnometrie und Alternativen vorbereiten.
B – Breathing
Atemarbeit, Atemfrequenz, Thoraxbewegung, Auskultation, Sättigung und Blutgase prüfen. Bei klinischem Verdacht auf Spannungspneumothorax nicht auf Bildgebung warten.
C – Circulation
Blutung und Perfusion beurteilen, zwei großlumige venöse oder intraossäre Zugänge etablieren. Blutprodukte und Massivtransfusionsprotokoll früh bedenken. Große Mengen Kristalloide bei hämorrhagischem Schock vermeiden.
D – Disability
Bewusstsein, Pupillen, fokalneurologische Ausfälle und Blutzucker prüfen. Hypoglykämie sofort behandeln und Verlauf kontrollieren.
E – Exposure/Environment
Vollständig untersuchen, aber konsequent vor Auskühlung schützen. Wärmeerhalt ist Therapie: Wärmedecken, Warmluft, warme Infusionen und warme Umgebung.
📊 Warnzeichen und Aktivierungskriterien
Besonders kritisch sind:
• Sauerstoffsättigung 29 /min
• systolischer Blutdruck 120/min
• Glasgow-Coma-Scale <= 12
• Körpertemperatur < 35 °C
👴👶 Besondere Risikogruppen
Bei älteren Menschen, Kindern, Schwangeren und Personen unter Antikoagulation gilt eine niedrige Eskalationsschwelle. Geriatrische Patientinnen und Patienten können Blutverlust schlechter kompensieren; Betablocker können eine Tachykardie maskieren.
Bei Kindern Vitalwerte immer altersbezogen interpretieren. Bradykardie und Bradypnoe können Zeichen schwerer Hypoxie und eines drohenden Kreislaufstillstands sein.
💉 Blutung und Tranexamsäure
Bei relevantem Trauma mit Blutung oder hohem Blutungsrisiko Tranexamsäure früh erwägen, sofern keine Kontraindikationen bestehen und lokale Standards dies vorsehen. Der größte Nutzen wird innerhalb von drei Stunden nach Trauma erwartet. Tranexamsäure ersetzt nie Blutungskontrolle, Operation oder eine zielgerichtete Transfusionsstrategie.
🔍 Diagnostik und Reevaluation
cABCDE ist kein einmaliger Ablauf, sondern ein Kreislauf: Nach jeder Intervention Wirkung prüfen und erneut priorisieren.
Ergänzend:
• SAMPLE-Anamnese: Symptome, Allergien, Medikamente, Vorgeschichte, letzte orale Aufnahme, Ereignisse
• eFAST bei Trauma: freie Flüssigkeit, Perikarderguss, Pneumo- oder Hämatothorax
• Triage ist dynamisch und keine endgültige Diagnose
🗣️ Kommunikation und Dokumentation
Closed-Loop-Kommunikation reduziert Fehler: Anordnung laut aussprechen, wiederholen lassen und Durchführung rückmelden.
Dokumentiert werden Aufnahmezeit, Übergabe, Vitalwerte, Befunde, Maßnahmen, Medikamente, Blutprodukte, Komplikationen und Entscheidungszeitpunkte.
✅ Take-home-Message
Im Schockraum ist Struktur schneller als Hektik: klar kommunizieren, Rollen verteilen, lebensbedrohliche Probleme priorisieren, Maßnahmen überprüfen und kontinuierlich reevaluieren.
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