Abdominaltrauma

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 23. Oktober 2026 · 40 min

🩺 Wichtige Warnzeichen

• Bauchschmerz, Abwehrspannung, pralles Abdomen

• Hämatome, Abschürfungen, Seat-Belt-Sign

• Tachykardie, kalte Haut, verlängerte Rekapillarisierungszeit, Oligurie

• Kreislaufinstabilität oder zunehmender Laktatanstieg

• Eviszeration, Peritonitis oder freie intraabdominelle Luft

Ein Seat-Belt-Sign kann insbesondere auf Darm-, Mesenterial- und Lendenwirbelsäulenverletzungen hinweisen.

🚑 Schockraummanagement

Versorgung nach cABCDE:

• Catastrophic bleeding erkennen und kontrollieren

• Großlumige venöse Zugänge oder intraossärer Zugang

• Blutentnahme inklusive Gerinnung, Fibrinogen, Kreuzblut und Blutgasanalyse

• Frühe Aktivierung des Massivtransfusionsprotokolls bei relevanter Blutung

• Hypothermie vermeiden, Kalzium und Gerinnung aktiv mitbehandeln

• Tranexamsäure bei schwerer Blutung möglichst innerhalb von 3 Stunden erwägen

• Restriktive Volumengabe bei nicht kontrollierter Blutung; keine permissive Hypotonie bei relevantem Schädel-Hirn-Trauma

🔍 Diagnostik: eFAST oder CT?

Bei hämodynamischer Instabilität ist eFAST zentral. Freie Flüssigkeit nach Trauma ist bis zum Beweis des Gegenteils Blut.

Positiver eFAST plus Instabilität: meist unmittelbare operative Blutungskontrolle.

Ein negativer eFAST schließt retroperitoneale Blutungen, Hohlorgan-, Mesenterial- oder frühe Organverletzungen nicht aus.

Bei stabilen Patientinnen und Patienten ist die kontrastmittelgestützte CT der Goldstandard. Sie erkennt Organverletzungen, aktive Blutung, freie Luft, retroperitoneale Hämatome und Gefäßverletzungen.

🔪 Wann zur Laparotomie?

Starke Indikationen sind:

• Persistierende hämodynamische Instabilität

• Peritonitis oder freie Luft

• Eviszeration

• Positiver eFAST bei Instabilität

• Penetrierende Verletzung mit Peritonealdurchtritt

• Nicht beherrschbare Blutung oder Kontamination

Bei instabilen Polytraumatisierten steht Damage Control Surgery im Vordergrund: Blutung und Kontamination kontrollieren, Physiologie auf Intensivstation stabilisieren, definitive Versorgung im Second Look.

🫀 Typische Verletzungsmuster

• Leber und Milz: häufig stumpf verletzt; bei Stabilität oft konservativ oder mittels Angioembolisation behandelbar

• Pankreas und Duodenum: retroperitoneal, daher leicht zu übersehen; an Gangverletzung bzw. retroperitoneale Luft denken

• Darm und Mesenterium: besonders bei Gurtzeichen oder freier Flüssigkeit ohne klare Organverletzung; mögliche verzögerte Ischämie oder Perforation

• Niere: Makrohämaturie ist Warnzeichen, ihr Fehlen schließt relevante Verletzungen nicht aus

• Große Gefäße: selten, aber hochletal; früh chirurgische und interventionelle Expertise einbinden

💊 Antibiotika und Analgesie

Antibiotika sind nicht bei jedem stumpfen Trauma erforderlich. Bei Peritonealeröffnung oder Hohlorganverletzung ist eine perioperative Abdeckung der gramnegativen und anaeroben Darmflora sinnvoll. Nach ausreichender chirurgischer Sanierung ist eine lange Antibiotikagabe meist nicht nötig.

Analgesie ausreichend titrieren, aber klinische Reevaluation nicht vernachlässigen. NSAR sind bei möglicher Blutung, Nierenschaden oder Operationswahrscheinlichkeit häufig keine erste Wahl.

👶 Besondere Gruppen

Schwangere: Die Stabilisierung der Mutter hat Priorität. Bei relevantem Trauma früh geburtshilflich mitbeurteilen; indizierte CT nicht aus Sorge vor Strahlung unterlassen.

Kinder: Relevante Organverletzungen können trotz geringer äußerer Zeichen bestehen. CT-Indikation streng abwägen, aber notwendige Diagnostik nicht verzögern.

✅ Take-home-Messages

• Unfallmechanismus und wiederholte Untersuchung sind entscheidend.

• Normaler Blutdruck schließt Blutung nicht aus.

• CT für Stabile, OP für Instabile mit Blutungsverdacht.

• Wärme, Kalzium, Gerinnung und Blutungskontrolle gehören zusammen.

• Konservatives Management bedeutet engmaschige aktive Überwachung.

• Bei Verschlechterung an übersehene Hohlorgan-, Mesenterial-, Pankreas- oder retroperitoneale Verletzungen denken.

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