Schädel-Hirn-Trauma: dynamischer Notfall

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 17. September 2026 · 41 min

🚑 Erste Prioritäten: sekundären Hirnschaden verhindern

Der Grundsatz lautet: Keine Hypoxie, keine Hypotonie.

• Sauerstoffversorgung und Ventilation sichern

• Kreislauf früh stabilisieren

• Normoxie, Normokapnie und Normothermie anstreben

• Hypo- und Hyperglykämie vermeiden

• Schmerz, Unruhe, Krampfanfälle und Fieber behandeln

🩺 cABCDE beim SHT

c – Kritische äußere Blutungen kontrollieren, besonders an der stark durchbluteten Kopfhaut. Penetrierende Gegenstände nicht entfernen, sondern stabilisieren.

A – Atemweg sichern, absaugen, Aspirationsrisiko beachten. Bei GCS ≤ 8, fehlenden Schutzreflexen oder respiratorischer Insuffizienz ist meist eine Intubation erforderlich.

B – Hypoxie vermeiden. Prophylaktische Hyperventilation ist nicht angezeigt; Ausnahme sind Zeichen einer drohenden Einklemmung als Überbrückungsmaßnahme.

C – Hypotonie unbedingt vermeiden. Bei schwerem SHT systolischen Blutdruck ausreichend hoch halten und zerebrale Perfusion sichern.

D – Neurologischen Status wiederholt erfassen: GCS-Einzelwerte, Pupillen, Motorik und fokalneurologische Defizite.

E – Ganzkörperuntersuchung, Wärmeerhalt und HWS-Schutz. Kopfverletzung bedeutet nicht automatisch isoliertes Trauma.

📊 Glasgow Coma Scale und Warnzeichen

• Leichtes SHT: GCS 13–15

• Mittelschweres SHT: GCS 9–12

• Schweres SHT: GCS ≤ 8

Wichtig: Nicht nur die Gesamtsumme dokumentieren. Motorische Verschlechterung, neue Pupillendifferenz oder sinkende Wachheit sind hochrelevant.

Alarmzeichen einer möglichen Herniation:

• Einseitig weite, lichtstarre Pupille

• Abnehmendes Bewusstsein

• Pathologische Beuge- oder Streckmuster

🖥️ CT und Diagnostik

Die native kraniale CT ist die zentrale Akutdiagnostik. Niedrige Schwelle zur Bildgebung bei:

• Bewusstseinsstörung oder Amnesie

• Wiederholtem Erbrechen, Krampfanfall oder starken Kopfschmerzen

• Fokalneurologischen Defiziten

• Frakturzeichen, Liquoraustritt oder penetrierender Verletzung

• Antikoagulation oder Thrombozytenaggregationshemmung

• Intoxikation, unklarem Unfallhergang oder Hochenergietrauma

Ein unauffälliges CT ist eine Momentaufnahme und ersetzt keine klinische Überwachung.

🩸 Antikoagulation aktiv erfragen

Besonders relevant sind Phenprocoumon, DOAKs wie Apixaban, Rivaroxaban oder Dabigatran sowie ASS und Clopidogrel. Bei intrakranieller Blutung frühzeitig Neurochirurgie, Intensivmedizin und gegebenenfalls Hämostaseologie einbeziehen. Eine Gerinnungsumkehr ist zeitkritisch.

🏥 Typische Verletzungsmuster

• Epiduralhämatom: bikonvex/linsenförmig, potenziell rasche Verschlechterung

• Subduralhämatom: halbmondförmig, häufig bei älteren oder antikoagulierten Menschen

• Kontusionsblutung: oft frontal oder temporal, kann progredient sein

• Traumatische Subarachnoidalblutung und intrazerebrale Blutung

• Diffuses axonales Trauma: schwere Bewusstseinsstörung, CT anfangs teils unauffällig

🏠 Leichtes SHT: Entlassung und Aufklärung

Eine Entlassung ist nur bei stabiler, sicher beurteilbarer Situation und zuverlässiger häuslicher Beobachtung sinnvoll. Warnzeichen für die sofortige Wiedervorstellung:

• Zunehmende Kopfschmerzen oder wiederholtes Erbrechen

• Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Verhaltensänderung

• Neue Schwäche, Sprach-, Seh- oder Gangstörung

• Krampfanfall oder klarer Flüssigkeitsaustritt aus Nase/Ohr

In den ersten 24–48 Stunden sind körperliche und kognitive Schonung sinnvoll. Danach schrittweise Rückkehr in den Alltag; Risiko- und Kontaktsport erst nach Symptomfreiheit.

✅ Take-home Messages

• Der Verlauf zählt: neurologisch wiederholt untersuchen und dokumentieren.

• GCS ≤ 8: Atemweg in der Regel sichern.

• Keine Hypoxie, keine Hypotonie.

• CT-Indikation großzügig stellen.

• Antikoagulation kann aus einem leichten Trauma einen Hochrisikofall machen.

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