Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP)
Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 12. September 2026 · 28 min
🌍 Erreger und Übertragung
Pneumocystis jirovecii ist ein weltweit vorkommender Schlauchpilz. Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich aerogen. Entscheidend für eine manifeste Erkrankung ist jedoch vor allem die Immunsuppression, nicht eine besondere Exposition.
⚠️ Risikogruppen
Besonders wichtig bei:
• fortgeschrittener HIV-Infektion, vor allem bei CD4 < 200/µl
• intensiver Chemotherapie
• Organ- oder Stammzelltransplantation
• hämatologischen Neoplasien
• entzündlich-rheumatologischen Erkrankungen unter Immunsuppression
• längerer hoch dosierter systemischer Glukokortikoidtherapie
Praxispunkt: Bei PCP ohne bekannte HIV-Diagnose gehört ein HIV-Test zur unmittelbaren Abklärung.
👀 Klinik
Typisch ist ein subakuter, schleichender Verlauf über Tage bis Wochen:
• progrediente Dyspnoe
• trockener Husten
• Leistungsknick, Müdigkeit
• subfebrile Temperaturen oder wenig Fieber
Wichtig:
• Auskultation oft erstaunlich unauffällig
• Sauerstoffsättigung in Ruhe kann noch relativ gut sein
• unter leichter Belastung oft frühe Desaturation
• rasche Verschlechterung der Oxygenierung trotz zunächst unspektakulärer Symptome möglich
🧪 Diagnostische Hinweise
Mögliche Befunde:
• Hypoxämie in der Blutgasanalyse
• initial erniedrigtes pCO2 durch Hyperventilation
• erhöhte LDH als unspezifischer Hinweis
🖼️ Bildgebung
Röntgen-Thorax:
• anfangs diskret oder sogar nahezu unauffällig
• später häufig beidseitige diffuse interstitielle bzw. milchglasartige Verschattungen
CT-Thorax:
• deutlich sensitiver
• typisch: beidseitige Milchglastrübungen, oft zentral/perihilär betont
• Pleuraergüsse sind für isolierte PCP eher untypisch
🦠 Erregernachweis
Die definitive Diagnose erfolgt aus respiratorischem Material, bevorzugt aus bronchoalveolärer Lavage (BAL):
• PCR sehr sensitiv
• Mikroskopie ergänzend wichtig
Wichtig: Positive PCR kann v. a. bei nicht HIV-infizierten Immunsupprimierten auch Kolonisation bedeuten. Immer im klinischen Kontext interpretieren.
Induziertes Sputum:
• geringe Sensitivität
• negatives Ergebnis schließt PCP nicht aus
🔍 Differenzialdiagnosen
Mitdenken bei:
• bakterielle oder virale Pneumonien
• Tuberkulose
• CMV-Pneumonitis
• andere Pilzinfektionen
• Medikamententoxizität
• Strahlenpneumonitis
• Lungenödem
• Lymphangiosis carcinomatosa
• pulmonales Kaposi-Sarkom
💊 Therapie
Bei hohem klinischem Verdacht und Hypoxämie: Therapie nicht bis zum Erregernachweis verzögern.
Erstwahl:
Cotrimoxazol hoch dosiert
• 15–20 mg Trimethoprim/kgKG/Tag
• verteilt auf 3–4 Gaben
• meist für 21 Tage
• bei schwerer Erkrankung initial i.v.
Monitoring unter Cotrimoxazol:
• Kalium
• Kreatinin/Nierenfunktion
• Blutbild
• Leberwerte
Häufige Probleme:
• Exanthem
• Leukopenie, Thrombozytopenie
• Hyperkaliämie
• Kreatininanstieg
• Transaminasenerhöhung
💉 Glukokortikoide
Bei mittelschwerer bis schwerer HIV-assoziierter PCP indiziert, z. B. bei:
• pO2 < 70 mmHg unter Raumluft oder
• alveoloarteriellem O2-Gradienten ≥ 35 mmHg
Beginn möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Start der PCP-Therapie.
🔄 Alternativen bei Unverträglichkeit
Mögliche Optionen:
• Trimethoprim + Dapson
• Pentamidin i.v.
• Atovaquon
• Clindamycin + Primaquin
Wichtig bei Dapson/Primaquin:
• vorher G6PD-Mangel ausschließen
🏥 Supportive Therapie und Komplikationen
Je nach Schweregrad:
• Sauerstoffgabe
• High-Flow
• NIV
• invasive Beatmung
Wichtige Komplikation:
• Pneumothorax, besonders bei plötzlicher Verschlechterung
🛡️ Prophylaxe
Erstwahl: Cotrimoxazol
Bei HIV:
• Primärprophylaxe in der Regel bei CD4 < 200/µl
• Sekundärprophylaxe nach durchgemachter PCP
Alternativen:
• Dapson
• inhalatives Pentamidin
📌 Take-home
Bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten mit subakuter Dyspnoe, trockenem Husten und Hypoxämie immer an PCP denken. Unauffällige Auskultation oder ein zunächst wenig beeindruckendes Röntgenbild schließen die Diagnose nicht aus. PCP ist Warnsignal für relevante Störungen der zellulären Immunabwehr und verlangt immer die Suche nach deren Ursache.
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