Nervus-ulnaris-Lähmung

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 24. September 2026 · 28 min

🩺 Nervus ulnaris: Klinik, Lokalisation und Therapie

Der Nervus ulnaris (Ellennerv; C8–Th1) ist besonders druckgefährdet – vor allem am Ellenbogen im Sulcus nervi ulnaris („Musikantenknochen“) und am Handgelenk in der Guyon-Loge.

🔍 Leitsymptome

- Kribbeln, Brennen oder Taubheit am Kleinfinger und an der ulnaren Hälfte des Ringfingers

- Schwäche beim Fingerspreizen und -zusammenführen

- Ungeschicklichkeit, verminderte Griffkraft, Fallenlassen von Gegenständen

- Atrophie des ersten Zwischenfingerraums oder des Hypothenars

- Krallenstellung von Ring- und Kleinfinger bei fortgeschrittener Lähmung

🧠 Anatomisch wichtige Engstellen

- Ellenbogen: Sulcus-nervi-ulnaris- bzw. Kubitaltunnelsyndrom

- Handgelenk: Guyon-Logen-Syndrom

- Hohlhand: isolierte Läsion des tiefen motorischen Ulnarisastes möglich

📍 Lokalisation durch Sensibilität und Motorik

- Ellenbogen/proximale Läsion: palmare und dorsale Sensibilität am ulnaren Handrand häufig betroffen; zusätzlich Schwäche von Flexor carpi ulnaris und ulnarem Flexor digitorum profundus.

- Guyon-Loge: dorsale Sensibilität meist erhalten, da der dorsale Hautast bereits am Unterarm abgeht.

- Tiefer Ast in der Hohlhand: vorwiegend motorische Ausfälle bei oft erhaltener Sensibilität.

- Ulnarisparadox: Distale Läsionen können eine ausgeprägtere Krallenhand verursachen als proximale Läsionen.

✋ Klinische Untersuchung

- Inspektion: erster Zwischenfingerraum, Hypothenar, Krallenhand

- Sensibilität palmar und dorsal im Seitenvergleich

- Fingerabduktion und -adduktion gegen Widerstand

- Froment-Zeichen: Beugung des Daumenendgelenks beim Festhalten eines Papiers spricht für Adductor-pollicis-Schwäche.

- Jeanne-Zeichen: Überstreckung im Daumengrundgelenk

- Hoffmann-Tinel-Zeichen am Kubitaltunnel

- Bei proximalem Verdacht: Ulnardeviation im Handgelenk sowie Endgelenkbeugung von Ring- und Kleinfinger testen.

⚠️ Warnzeichen und Notfälle

Zeitnahe neurologische sowie handchirurgische/unfallchirurgische Abklärung bei:

- progredienter motorischer Schwäche

- sichtbarer Muskelatrophie

- Krallenhand

- rascher Verschlechterung

- frischer Schnittverletzung an Handgelenk oder Hohlhand mit neurologischem Ausfall

Vor Lokalanästhesie oder Wundversorgung neurologischen Ausgangsbefund dokumentieren.

🧪 Diagnostik

- Elektroneurografie: Objektivierung, Schweregrad und Lokalisation

- Nervensonografie: Nervenauftreibung, Luxation, Ganglion oder andere Raumforderungen

- MRT bei komplexen oder tiefer gelegenen strukturellen Ursachen

🛠️ Behandlung

Bei milden Kompressionsneuropathien:

- Druck auf Ellenbogen bzw. Handballen vermeiden

- starke und anhaltende Ellenbogenbeugung reduzieren, besonders nachts

- Polsterung, Lagerungsschiene oder Ellenbogenorthese

- Ergonomische Anpassungen bei Arbeit, Sport und Radfahren

Analgetika können Schmerzen lindern, behandeln aber keine mechanische Kompression. Bei motorischen Ausfällen, Atrophie, auffälliger Elektroneurografie, persistierenden Beschwerden oder Raumforderung ist eine operative Dekompression zu prüfen.

🎯 Take-home-Message

Taubheit am Kleinfinger plus schwache Fingerspreizung ist hochverdächtig für eine Ulnarisläsion. Dorsale Sensibilitätsstörungen sprechen eher für eine Läsion proximal der Guyon-Loge. Motorische Ausfälle, Atrophie oder Trauma sind zeitkritische Warnzeichen.

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