Lungenerkrankungen durch Inhalation anorganischer Stäube

Episode von DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level! von DocYouUp · 8. September 2026 · 22 min

🫁 Pneumokoniosen

Lungenerkrankungen durch Inhalation anorganischer Stäube oder Fasern sind meist berufsbedingt. Entscheidend ist die gezielte Berufsanamnese.

Kernbotschaften:

• Chronische Staubexposition kann zu Entzündung, Vernarbung und Lungenfibrose führen

• Bei Husten, Belastungsdyspnoe und interstitiellen oder nodulären Lungenveränderungen immer nach dem Beruf fragen

• Frühzeitiges Erkennen und Expositionsstopp können den Verlauf entscheidend beeinflussen

• Viele Therapien sind nur symptomatisch, nicht kausal

🔬 Pathophysiologie

Eingeatmete Staubpartikel gelangen bis in die Alveolen und werden von Alveolarmakrophagen aufgenommen. Persistierende Partikel führen zu:

• chronischer Entzündung

• Freisetzung von Entzündungsmediatoren

• Gewebsumbau, Granulombildung und Fibrose

🩻 Diagnostik

Wichtige Schritte:

• genaue Expositionsanamnese: Material, Tätigkeitsdauer, Staubentwicklung, Lüftung, Atemschutz

• körperliche Untersuchung, Pulsoxymetrie

• Lungenfunktion inkl. Diffusionskapazität

• Bildgebung: Röntgen-Thorax, bei Bedarf HR-CT

• radiologische Standardisierung über die ILO-Klassifikation

Praktische Fragebeispiele:

• Schweißarbeiten? Metallstaub? Schleifstaub? Quarz? Kohle? Fasern?

• Wie viele Jahre Exposition?

• Absaugung oder Atemschutz vorhanden?

🏭 Wichtige Formen

Aluminose

• Exposition: Aluminiumstaub, v. a. Schweißarbeiten

• Symptome: Husten, Belastungsdyspnoe

• Komplikation: bullöses Emphysem, Spontanpneumothorax

• Therapie: Expositionsstopp, Pneumothorax nach Standard behandeln

Anthrakose

• Exposition: Kohlenstaub, Ruß

• Bildgebung: feinnoduläre Verschattungen

• Verlauf: oft mild, Fibrose seltener

• Management: Verlaufskontrolle, symptomorientierte Therapie

Berylliose

• Exposition: Beryllium in Legierungen

• Pathologie: nicht verkäsende Granulome

• Wichtig: kann Sarkoidose klinisch und radiologisch imitieren

• Therapie: Expositionsstopp, bei aktiver Erkrankung oft Glukokortikoide

Hartmetalllunge

• Exposition: Aerosole hochschmelzender Metalle

• Beginn: oft unspezifisch

• Risiko: progrediente schwere Lungenfibrose

• Therapie: Expositionsstopp, fachärztlich ggf. Steroide/Immunsuppression

Siderose

• Exposition: Eisenstaub

• Bildgebung: kleine rundliche Fleckschatten

• Prognose: meist gut, Fibrose selten, oft reversibel nach Expositionsende

💊 Therapieprinzipien

• wichtigste Maßnahme: Exposition beenden oder strikt reduzieren

• Bronchodilatatoren bei obstruktiver Komponente

• inhalative Glukokortikoide nur bei passender Begleitkonstellation

• Sauerstofftherapie bei relevanter Hypoxämie nach Standardindikation

• Atemphysiotherapie und pneumologische Rehabilitation bei Bedarf

🧠 Differenzialdiagnosen

Denken an:

• Sarkoidose

• idiopathische Lungenfibrose

• exogen allergische Alveolitis

• COPD

• Tuberkulose

• maligne Erkrankungen

Besonders wichtig: Berylliose ist ein klassischer Sarkoidose-Mimikry.

📌 Klinik-Merksatz

Chronischer Husten + Belastungsdyspnoe + auffällige Bildgebung = immer auch an den Beruf denken.

⚖️ Sozialmedizinischer Aspekt

Saubere Dokumentation der Expositionsanamnese ist medizinisch und rechtlich relevant. Bei Verdacht auf Berufskrankheit arbeitsmedizinische bzw. fachärztliche Abklärung anstoßen.

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