„Wir sollten für unsere Social-Media-Accounts bezahlen müssen“

Episode von Wird das was? von ZEIT ONLINE · 18. Juli 2019 · 1 h 09 min

An der Bushaltestelle, in der U-Bahn, im Bett und manchmal sogar auf der

Toilette: Gibt es eigentlich einen Ort, an den wir unser Smartphone

nicht mitnehmen und dann im Zweifel Facebook, Instagram und Twitter

durchscrollen? Ist das noch gesund – oder nimmt das bereits Züge von

Abhängigkeit an? Gibt es Smartphone- und Online-Sucht also? Wie würde

man exzessive Handy-Nutzung bei sich erkennen? Und ist die ein Zeichen

der heutigen Zeit, unserer digitalen Gesellschaft, in der sich auch

schon Kinder zurechtfinden müssen?

Darüber sprechen wir in dieser Folge von „Wird das was?“, dem

Digitalpodcast von ZEIT ONLINE, mit Christian Montag, Professor für

molekulare Psychologie an der Universität Ulm. Montag, der unter anderem

zu Suchtanfälligkeit bei Menschen forscht und zu Auswirkungen digitaler

Technologien auf uns, sagt: Die reine Bildschirmzeit sei kein

hinreichendes Kriterium bei der Frage, ob man einen bedenklichen Umgang

nicht nur mit seinem Smartphone hat, sondern auch mit dem Online-Sein an

sich.

Man solle sich fragen: Wie viel davon ist Kommunikation mit Freunden,

die uns ja meistens guttut? Spürt man dennoch einen Kontrollverlust beim

Umgang mit dem Smartphone? Weiß man also, dass man eigentlich zu lange

auf Social-Media-Plattformen herumhängt, schafft es aber nicht mehr, das

Handy wegzulegen? Und beeinträchtigt dieses Verhalten den eigenen Alltag

spürbar?

Insbesondere Social-Media-Plattformen besäßen Suchtpotenzial, sagt

Montag, weil ihre App-Architekturen daraufhin gebaut seien, dass

Menschen sich darin möglichst lange aufhalten und möglichst viele Daten

hinterlassen. Solange das Geschäftsmodell etwa von Facebook und

Instagram bleibe, diese Daten für personalisierte Werbung zu nutzen,

hätten diese Firmen keinen Grund, etwas zu ändern. Eigentlich "sollten

wir für unsere Social-Media-Accounts bezahlen müssen", fordert Montag.

Dann müssten sich die Unternehmen im Umkehrschluss verpflichten, "Apps

zu bauen, die weniger süchtig machen".

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