"Welche Funktionen wollen wir auf Maschinen übertragen, welche nicht?”

Episode von Wird das was? von ZEIT ONLINE · 4. Juli 2019 · 57 min

Künstliche Intelligenz steckt schon heute in unseren Smartphones und

Navigationssystemen, hilft Ärzten bei der Diagnose, unterstützt beim

Katastrophenschutz. Und all das soll erst der Anfang sein. Um

international möglichst gut mithalten zu können, haben viele Staaten,

darunter auch Deutschland, sich KI-Strategien verpasst – um die Chancen

der Technologie zu fördern, aber auch, um mögliche Risiken einzudämmen.

Aber wie intelligent ist die Technologie wirklich? Was kann sie schon

und was nicht? Werden unsere Jobs wirklich wegfallen? Welche Grenzen

müssen wir ihnen setzen? Tun wir in Deutschland genug und das Richtige,

um sie zu fördern? Und wird es irgendwann wirklich eine generelle

künstliche Intelligenz geben, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen

kennen?

Jana Koehler ist überzeugt von den Chancen, die in der künstlichen

Intelligenz stecken. "Computer helfen uns, viele Dinge besser zu tun",

sagt die Informatikerin, die seit Februar 2019 das Deutsche

Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz leitet. Zuvor war sie

Professorin für Informatik an der Hochschule Luzern in der Schweiz,

arbeitete zwischenzeitlich für IBM und den Aufzughersteller Schindler.

Bereits in den Neunzigerjahren arbeitete sie als wissenschaftliche

Mitarbeiterin am DFKI und habilitierte an der Albert-Ludwigs-Universität

in Freiburg. Sie ist eine der führenden Wissenschaftlerinnen zum Thema

und räumt in der neuen Folge des Digitalpodcasts "Wird das was?" von

ZEIT ONLINE mit einigen Missverständnissen über künstliche Intelligenz

auf.

Koehler rechnet zwar damit, dass künstliche Intelligenzen in vielen

Branchen Berufsbilder verändern und auch Jobs kosten werden. Insgesamt

habe sie aber den Eindruck, "dass wir in der Summe eher mehr Arbeit

bekommen als weniger". Klimaveränderungen, Ressourcenknappheit,

verminderte Artenvielfalt – für all diese Probleme brauche es Lösungen,

wenn wir weiterhin gut leben wollen, so Koehler. Und dafür sei

Computertechnologie geeignet.

Sie sieht aber noch ganz andere Herausforderungen, vor die die

künstliche Intelligenz Gesellschaften aktuell stellt. "Die

Computertechnologie verlangt von uns, unsere ethischen Grundlagen erneut

zu überdenken." Die Gesellschaft müsse sich die Frage stellen, welche

Funktionen wir auf Maschinen übertragen wollen und welche nicht, sagt

Koehler. Und verrät, welchen Science-Fiction-Film über künstliche

Intelligenz sie für gelungen hält.

"Heutige KI-Systeme sind dem Menschen eher unähnlich", sagt Koehler.

Allgemeine künstliche Intelligenz halte sie für "keine sehr

erstrebenswerte Vision", sagt sie – und zeichnet ein düsteres Bild

davon, was passieren könnte, wenn Menschen die Ziele, die künstliche

Intelligenz verfolgt, nicht mehr kontrollieren.

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