"Wir können nicht alle Übel der Welt auf Airbnb schieben"

Episode von Wird das was? von ZEIT ONLINE · 12. September 2019 · 1 h 18 min

Vor knapp einem Jahrzehnt, im Mai 2010, hat die Publizistin Rachel

Botsman in Sydney einen TED-Vortrag gehalten, in dem sie dafür

plädierte, dass wir Menschen Güter und Dienstleistungen lieber

miteinander teilen sollten, statt sie auf herkömmliche Weise zu kaufen.

Botsman nannte das „collaborative consumption“, kooperativen Konsum, der

nachhaltiger, sozialer und ressourcenschonender sein sollte als das

althergebrachte Modell Shoppen-und-Wegschmeißen. Popularisiert wurde die

durchaus utopische Idee dann unter dem Begriff Sharing Economy, der die

vermeintlich neue Wirtschaftsweise bezeichnet.

Denn so neu sei die auch vor bald zehn Jahren nicht gewesen, sagt der

Konsumhistoriker Frank Trentmann in der neuen Folge des Digitalpodcast

„Wird das was?“ von ZEIT ONLINE: "Schon Höhlenbewohner haben Sachen

geteilt." Die Idee des Teilens, Leihens und Verleihens sei so alt wie

die des Besitzens, so Trentmann, der am Birkbeck College der University

of London Geschichte lehrt. Und vieles von dem, was streng genommen auch

unter den Begriff Sharing Economy falle, würden wir schlicht nicht als

etwas wahrnehmen, das wir miteinander teilen: öffentliche Bibliotheken,

öffentliche Schwimmbäder, den öffentlichen Nahverkehr.

Zum Zeitpunkt von Botsmans Vortrag 2010 existierten die beiden heute

wohl bekanntesten Unternehmen der Sharing Economy, der Mitfahrdienst

Uber und die Unterkunftsvermittlung Airbnb, seit einem Jahr

beziehungsweise zwei Jahren. Und das neueste Leihgerät unserer

"hypermobilen Zeit", wie Trentmann die Gegenwart nennt, war noch nicht

einmal erfunden: der E-Scooter.

Aber ist das Herumfahren auf Leih-Tretrollern nun ernsthaft das, was von

der Utopie der Sharing Economy übrig geblieben ist? Wurde uns nicht mehr

versprochen, haben wir uns nicht selbst mehr davon versprochen? Sind die

Firmen der Sharing Economy wirklich fair zu den Menschen, die für sie

arbeiten? Und wie genau sieht die Zukunft des Konsums eigentlich aus?

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