Digital konsumieren, blöd fühlen, aber trotzdem weitershoppen?

Episode von Wird das was? von ZEIT ONLINE · 19. Dezember 2019 · 57 min

Viele schämen sich, online Geschenke, Essen oder Taxis zu ordern. Und

tun es trotzdem. Das ist rational, verdrängt aber das Problem, sagt der

Philosoph Ludger Heidbrink.

Flugscham ist spätestens seit diesem Jahr ein fester Begriff bei allen,

die peinlich berührt zugeben müssen, dass sie trotz der Klimakrise schon

wieder in den Flieger steigen. Viele Menschen plagt aber auch

Digitalscham: dieses zerknirschte Gefühl, die Weihnachtsgeschenke doch

schon wieder bei Amazon bestellt zu haben, obwohl man doch um die

Berichte über die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren weiß.

Oder aber, weil man erneut Essen, Taxi oder andere Dienstleistungen im

Internet geordert hat – obwohl die damit verbundenen Probleme von

Arbeitnehmerrechten bis zur Nachhaltigkeit auch hier auf der Hand

liegen. Warum aber tun wir es trotzdem? Wie berechtigt sind die

Schamgefühle – und was bringen sie überhaupt?

Wir sind "Virtuosen der Verantwortungsabwehr", sagt Ludger Heidbrink,

Professor für praktische Philosophie an der Universität Kiel. Im

Gespräch mit ZEIT ONLINE seziert er, warum es durchaus rational sein

kann, online einzukaufen, mit welchen Tricks und Verrenkungen wir unser

moralisches Gewissen trotzdem beruhigen und was besser wäre als ein

Boykott digitaler Anbieter.

Digital konsumieren, blöd fühlen und dann trotzdem weitershoppen – dazu

komme es auch, wenn Konsumentinnen und Konsumenten eben nur das Gefühl

der Scham hätten, aber ihre Schuld an den Zuständen und Auswirkungen,

die ihnen da so unangenehm sind, nicht anerkennen würden. Anlass zur

Resignation ist das aber nicht: Heidbrink betont, dass die

Konsumentinnen und Konsumenten gerade im Digitalen stärker Einfluss auf

die Geschäftspraktiken der Unternehmen nehmen können. Eine solche Rolle

als demokratische Konsumentinnen und Konsumenten müsse allerdings noch

gelernt werden.

Sie erreichen uns per Mail unter [email protected]. Die nächste Folge

erscheint am 16. Januar.

[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner

finden Sie HIER.

[ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf

alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos

testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten,

testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.

Weitere Episoden von „Wird das was?“

Alle Episoden von Wird das was? · Mehr Technologie-Podcasts