„Algorithmen diskriminieren eher Leute in machtlosen Positionen”

Episode von Wird das was? von ZEIT ONLINE · 29. August 2019 · 1 h 17 min

Maschinen entscheiden längst über Menschen. Wie verhindern wir, dass sie

ungerecht urteilen? Regulierung allein helfe kaum, sagt Matthias

Spielkamp von Algorithmwatch.

Zahlreiche Entscheidungen und Einschätzungen werden in unserem Alltag

heute bereits von Algorithmen und künstlicher Intelligenz mitgetroffen:

Sie sind es, die den Newsfeed auf Facebook sortieren, sie sind es aber

auch, die die Plausibilität von Steuererklärungen in Deutschland prüfen

oder Jobbewerber vorsortieren. Das klingt zunächst einmal effizient,

modern und neutral – bis sich zeigt, dass auch Maschinen Menschen

diskriminieren können. Oder eben Entscheidungen treffen sollen, die auch

uns Menschen schwerfallen – etwa beim autonomen Fahren.

Wie aber weist man Diskriminierung nach? Warum treffen Algorithmen so

oft Entscheidungen, die gar nicht so neutral sind, wie viele es von

Computersystemen erwarten würden? Wie kann man diese Maschinen besser

kontrollieren, ihre Entscheidungen im Notfall auch revidieren – und wie

treibt man ihnen die Vorurteile wieder aus?

Staaten, aber auch Firmen arbeiten längst an Antworten auf diese Fragen.

Pauschale Lösungen gebe es nicht, sagt Matthias Spielkamp von der

Nichtregierungsorganisation "Algorithmwatch". Was daran liege, dass die

Computersysteme an so unterschiedlichen Stellen eingesetzt würden und

ganz unterschiedlich funktionierten. Seine Organisation klärt darüber

auf, welche Wirkung Algorithmen haben und wo sie zum Einsatz kommen.

Spielkamp versuchte, mit seinen Kolleginnen und Kollegen besser zu

erforschen, wie die Schufa arbeitet. Und sie berichteten, wie eine

Software in den Niederlanden Sozialbetrüger aufspüren sollte.

Es gehe darum, Softwaresysteme so einzusetzen, dass das Gemeinwohl

gefördert, nicht geschwächt werde, sagt Spielkamp. Doch das sei schwer

umzusetzen – unter anderem, weil eben sektorspezifisch auf die

Algorithmen geschaut werden müsse, statt vermeintlich einfache Lösungen

wie einen Algorithmen-TÜV oder politische Regulierungen zu fordern.

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