Folge 035 - Retatrutid: Was es anders macht, was es kostet, und was im Internet wirklich verkauft wird

Episode von Im Kern gesund von KRAFTKERN · 18. September 2026 · 45 min

Es gibt ein Medikament, das noch niemand kaufen kann. Es istnirgends zugelassen, die Studien laufen noch. Und trotzdem kommt es in Tausenden Fläschchen über die Grenze.

Retatrutid ist nicht mehr vom Selben. Die bisherigen Mittelbauen das Sattmacher-Signal aus dem Darm nach; Retatrutid baut zusätzlich ein drittes Hormon nach, das den Energieverbrauch anhebt — den Ofen anheizt, statt nur den Kühlschrank zuzumachen.

Das ist der Grund, warum es mehr kann: In den Zulassungsstudien lag der Gewichtsverlust bei knapp dreißig Prozent, fast die Hälfte der Teilnehmer verlor mindestens ein Drittel, das Leberfett sank bei der hohen Dosis auf einen Bruchteil.

Und das ist der Grund, warum es mehr kostet: mehr Übelkeit, mehr Abbrüche, ein für die Klasse ungewöhnliches Signal an derHaut, ein höherer Puls. Ein Teil der Abbrüche hatte einen Grund, den man bei einem Abnehmmittel nicht erwartet — zu viel Gewichtsverlust.

Was niemand weiß: Langzeit, Herz, Absetzen, Knochen. DieStudien beantworten, ob es wirkt. Der Alltag beantwortet, was es kostet.

Dann der Bruch. Dieselben Seiten, die Retatrutid verkaufen,verkaufen Kopien der zugelassenen Mittel — mengenmäßig der größere Teil. Wir gehen durch, was Labortests gefunden haben: In einer Auswertung von über sechstausend Graumarkt-Proben fiel je nach Maßstab zwischen der Hälfte und zwei Dritteln durch die Grundanforderungen; in etwa jeder siebten geprüften Probe waren Endotoxine messbar. Testkäufe von Semaglutid ohne Rezept enthielten rund ein Drittel mehr Wirkstoff als angegeben — wer sich an die Anleitung hält, überdosiert.

Gefälschte Analysezertifikate, Arsen und Blei in älteren Proben,Fallberichte über Koma und Stoffwechselentgleisung. Und eine Falle, die kaum jemand sieht:

Viele dieser Shops treten als Ratgeberseiten auf.

Warum Menschen trotzdem bestellen, hat in Deutschland eineneinfachen Grund, den wir in Teil 1 erklärt haben: Die Kasse zahlt nicht, das zugelassene Mittel kostet mehrere hundert Euro im Monat, das Fläschchen aus dem Internet einen Bruchteil. Das ist kein Leichtsinn. Das ist Rechnen. Wir sagen das ohne Verachtung — und mit einer klaren Ansage an die, die es nehmen, ohne es zu brauchen.

Am Ende dieselbe Frage wie in Teil 1: Je stärker das Mittel,desto wichtiger wird das, was es nicht liefert.

Alle Belege im Beitrag auf kraftkern.de.

Weitere Episoden von „Im Kern gesund“

Alle Episoden von Im Kern gesund · Mehr Health Fitness-Podcasts