Kardiosensibilität, Emotionen und kortikales Geschehen
Episode von Fakultät für Psychologie und Pädagogik - Digitale Hochschulschriften der LMU von Ludwig-Maximilians-Universität München · 26. Januar 2004
In der vorgelegten Dissertation wird der Zusammenhang zwischen Kardiosensibilität, Emotionen und kortikalem Geschehen beleuchtet.
Hierfür wurden vier empirischen Studien durchgeführt, die als ein Hauptanliegen solche zerebralen Strukturen identifizieren sollten, die sowohl an der Herzwahrnehmung als auch an der Entstehung des sog. Herzschlag-evozierten Potentials (HEP) beteiligt sind. Dabei wurde ausgehend von aktuellen Forschungsbefunden vermutet, dass es sich hierbei um viszerale Regulationsstrukturen wie die Insula, das anteriore Cingulum, den präfrontalen Kortex und die somatosensorischen Kortizes handeln könnte. Des weiteren wurde postuliert, dass Unterschiede in der Kardiosensibilität sich sowohl in der Amplitude des HEP als auch in den Dipol-Quellstärken des HEP sowie in der Aktivität während der Herzwahrnehmung nieder-schlagen. Die Ergebnisse der beiden HEP-Studien sowie der fMRT-Studie haben diese Hypothesen eindrucksvoll bestätigt. Über die verschiedenen Methoden hinweg (EEG, Dipolanalyse nach BESA, fMRT) wurde eine Aktivierung in den beschriebenen viszeralen Regulationsstrukturen gefunden, welche zudem mit der Kardiosensibilität positiv korrelierte.
In der vierten Studie wurde das Zusammenspiel von Emotionen und Kardiosensibilität bei emotionaler Bilderpräsentation in einer EEG-Studie mit anschließender Stromdichterekon-struktion untersucht. Auch hierbei zeigte sich eine deutliche Modulation der visuell-evozierten Potentiale durch die Kardiosensibilität. Neben subjektiv berichteten höheren Arousal war die P300 und die Slow Wave in der Gruppe der guten Herzwahrnehmer erhöht. Die Stromdichterekonstruktion ergab wiederum positive Korrelationen zwischen der Kardiosensibilität und der Aktivierungsstärke des anterioren Cingulums, des dorsolateralen Kortex, der Insula und der somatosensorischen Kortizes.
Aufgrund der hier vorgelegten Ergebnisse wurden die genannten Strukturen als Koordinationszentren für Emotionen und viszerale Regulation identifiziert, da die Areale übereinstim-mend bei kardialer und emotionaler Aufgabenstellung eine Aktivierung aufwiesen sowie in gleichbleibender Weise durch die Kardiosensibilität modulierbar waren.
Weitere Episoden von „Fakultät für Psychologie und Pädagogik - Digitale Hochschulschriften der LMU“
- Searching in Lists While Driving 27. Juli 2006
- Die peritraumatische Intervention: eine deskriptive Darstellung der psychosozialen Notfallversorgung 24. Juli 2006
- Student Expectations in the New Millennium 24. Juli 2006
- Emotionale Entwicklung im Vor- und Grundschulalter im Spiegel der Eltern-Kind-Interaktion 11. Juli 2006
- Irrational, rational, egal? – Empirische Untersuchungen zum Beitrag der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie nach Albert Ellis für die psychologische Grundlagenforschung 10. Juli 2006
- Bildungstheoretische und entwicklungsadäquate Grundlagen als Kriterien für die Gestaltung von Mathematikunterricht am Gymnasium 7. Juli 2006
- Kardiosensibilität, Emotionsverarbeitung und Verhalten 30. Juni 2006
- Entwicklung und Evaluation einer Lehrerfortbildung zur Förderung der physikdidaktischen Kompetenz von Sachunterrichtslehrkräften 29. Juni 2006
- Einflüsse psychosozialer Risikofaktoren auf die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion. 13. Februar 2006
- Auswirkungen pränataler Stressbelastung auf die Verhaltensregulation des Kindes 13. Februar 2006
- Die Trauer von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen um den verstorbenen Vater 30. Januar 2006
- Intuitiver und rationaler kognitiver Stil bei der Personalauswahl 5. Januar 2006
- Figural Completion in Visual Search 18. Juli 2005
- Differentialdiagnostik der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) in Deutschland 18. Juli 2005
- Rolle visueller Referenzen bei der Objektlokalisation 7. Juli 2005
Alle Episoden von Fakultät für Psychologie und Pädagogik - Digitale Hochschulschriften der LMU · Mehr Bildung-Podcasts