Die Trauer von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen um den verstorbenen Vater
Episode von Fakultät für Psychologie und Pädagogik - Digitale Hochschulschriften der LMU von Ludwig-Maximilians-Universität München · 30. Januar 2006
Die vorliegende Arbeit beschreibt die Trauer von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen um den verstorbenen Vater. Dazu wird eine repräsentative nichtklinische Stichprobe aus 90 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 10 bis 25 Jahren, deren Vater in den letzten Monaten und Jahren gestorben ist, zusammengestellt und mittels eines Fragebogens untersucht.
Trauerreaktionen wie Kummer, Schuld, Verdrängung, fehlende Akzeptanz des Verlusts und Depression sind insgesamt betrachtet nicht so stark ausgeprägt. Es ist das Aufrechterhalten einer inneren Bindung an den Vater zu beobachten, die eine hilfreiche Unterstützung im Trauerprozess darzustellen scheint. Im zeitlichen Verlauf des Trauerprozesses nehmen Kummer, Schuldgefühle, fehlende Akzeptanz des Verlusts und Depression mit fortschreitender Zeit zwar ab, jedoch geschieht dies langsamer als erwartet. Das innere Vaterbild bleibt über die Jahre nahezu unverändert erhalten. Das Alter ist kaum von Bedeutung. Alle Altersstufen weisen annähernd gleiche Trauerreaktionen auf, nur die Intensität der Depression steigt ab dem 14. Lebensjahr an. Die Beziehung zur Mutter als verbliebenen Elternteil kann als eine wichtige Einflussgröße identifiziert werden, wobei besonders negative Beziehungsaspekte wie Unsicherheit in der Bindung und Angst, auch noch die Mutter zu verlieren, die Trauer intensivieren und verkomplizieren. Die Kontrollüberzeugungen als intrapersonaler Faktor wirken sich auf die Trauer aus, besonders Externalität kann als ein Risikofaktor bezeichnet werden, der die Trauer ebenfalls intensiviert. Die Todesursache des Vaters ist nur von geringer Bedeutung. Die Fassungslosigkeit bei einem unnatürlichen Tod durch Unfall oder Suizid manifestiert sich in Schwierigkeiten, den Verlust des Vaters zu akzeptieren. Starb der Vater einen erwarteten, absehbaren Tod, ist die Depression ausgeprägter. Geschlechtsunterschiede zeigen sich vor allem in intensiveren Kummerempfindungen und vermehrten Schwierigkeiten bei der Akzeptanz des Verlusts sowie in internalisierenden Symptomen wie Depression und Angst bei Mädchen und jungen Frauen. Jungen und junge Männer identifizieren sich nicht stärker mit dem verstorbenen Vater als gleichgeschlechtlichen Elternteil. Die Befunde werden in die bestehende Forschungslage eingeordnet und diskutiert. Dabei fließen auch die Konzepte von Coping, Vulnerabilität und Resilienz in Verbindung mit den Schutz- und Risikofaktoren ein. Ansätze und Möglichkeiten der Intervention, basierend vor allem auf den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung, werden erarbeitet.
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