Robert Habeck: "Solidarität werden wir in Deutschland noch brauchen"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 4. Juli 2022 · 1 h 17 min

Laut jüngsten Umfragen ist Robert Habeck beliebter als Bundeskanzler

Olaf Scholz. Dabei verfolgt er momentan eine umstrittene und gerade für

seine Partei schmerzhafte Politik: Um Deutschland angesichts des Krieges

in der Ukraine von russischer Energie unabhängig zu machen, ging der

Bundeswirtschafts- und Klimaminister Deals mit Katar ein. Wie plant

Habeck, die Versorgungssicherheit mit Energie in Deutschland

sicherzustellen? Und was wird geschehen, falls Russland Europa selbst

das Gas abdreht?

Habeck hält einen Lieferstopp von russischem Gas für möglich: "Dass das

ausgeschlossen ist, würde niemand, der bei Sinn und Verstand ist,

behaupten", so der Vizekanzler im Gespräch mit Mariam Lau und Roman

Pletter bei der Langen Nacht der ZEIT in Hamburg.

Um Versorgungsengpässen vorzubeugen, gebe es zwei Möglichkeiten:

"Entweder man gibt den Unternehmen Geld", das falle aber früher oder

später auf die Steuerzahler zurück. Oder man erlaube den Unternehmen,

die Preise direkt an die Kunden weiterzugeben. Das sei allerdings "ein

sehr, sehr scharfes Schwert, das wir noch nicht gezogen haben, weil wir

noch an anderen Möglichkeiten arbeiten, die vielleicht den Keil nicht so

scharf in die Gesellschaft treiben. Aber ausschließen kann ich das auch

nicht."

Europa habe sich seit Beginn des Ukraine-Krieges zum Positiven

verändert, findet Habeck. Es gebe "eine ganz große Solidarität, auch mit

der Ukraine, aber auch mit diesem Land". Habeck weiter: "Irgendwie ist

Europa stärker geworden." Auch Deutschland sei "vielleicht sogar ein

bisschen solidarischer geworden. Und ich glaube, ohne zu spoilern, von

der Solidarität werden wir noch ein ganzes schönes Stück brauchen im

nächsten halben Jahr oder Jahr."

Als Politiker sei es ihm wichtig, das Zuhören nicht zu verlernen, so

Habeck. Es sei "auch eine professionelle Deformation, die man auch

später bei einigen merkt, dass man immer glaubt, man muss derjenige

sein, der entscheidet. Und das wieder loszuwerden, ist auch was Gutes."

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