Angela Merkel: Die AfD bei 20 Prozent? "Das ist echt nicht mehr meine Verantwortung"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 7. Februar 2025 · 1 h 29 min

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneuert ihre Kritik an

den Anträgen zur Migrationspolitik von Friedrich Merz. Auch unter

schwierigen Bedingungen sollte es nicht dazu kommen, dass Mehrheiten mit

der AfD gebildet werden. Sie empfinde es nicht als richtig, "in einer

solchen Situation einfach zu schweigen" – und habe deswegen ihre Meinung

gesagt. Vorher informiert habe sie Merz darüber nicht. Merkel spricht

von einer Frage grundsätzlicher Bedeutung. Ansonsten mische sie sich

nicht in die Tagespolitik ein.

Von Kritik an ihrer Migrationspolitik fühle sie sich angesprochen, sagt

Merkel. "Von einer Bundeskanzlerin erwartet man, dass die irreguläre

Migration reduziert wird." Sie halte die Asyl- und Einwanderungspolitik

der vergangenen zehn Jahre – anders als Friedrich Merz – nicht für

"verfehlt" und verweist auf Grenzkontrollen zu Österreich und das

EU-Türkei-Abkommen. Man sei aber "noch nicht am Ende der Arbeit". Sie

frage sich auch, warum es so schwer sei, Ausreisepflichtige "zur

Ausreise zu bewegen" und warum zwei Drittel der Ausländerämter immer

noch nicht digitalisiert seien.

Den Aufstieg der AfD erklärt sich Merkel nach eigenen Angaben auch durch

den Streit zwischen CDU und CSU in der Migrationspolitik während ihrer

Kanzlerschaft. "Es ist nicht richtig gewesen, dass wir so viel

gestritten haben", sagt Merkel. Sie sagt aber auch: Als sie aus dem Amt

ausgeschieden sei, habe die AfD bei elf Prozent gelegen. Dass sie nun

bei mehr als 20 Prozent liege, sei "nicht mehr meine Verantwortung".

Am 26. November 2024 veröffentlichte Angela Merkel ihre Autobiografie

mit dem Titel "Freiheit", Verlag Kiepenheuer & Witsch, die sie zusammen

mit ihrer ehemaligen Büroleiterin Beate Baumann geschrieben hat. Zu

Kritik an ihrem Buch sagt sie: "Ich war halt langweilig." Das habe man

schon während ihrer Kanzlerschaft über sie gesagt. Dass sie ein

Enthüllungsbuch schreibe, in dem sie endlich mal "die Katze aus dem Sack

lasse", hätten vielleicht manche erwartet. Ihr sei es aber ein Anliegen

gewesen, zu beschreiben, wie Politik funktioniere, sagt Merkel.

Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung aus der Reihe "Eine

Stunde ZEIT mit …", die am 5. Februar im Deutschen Schauspielhaus in

Hamburg stattfand. Das Gespräch ist auch

als Videoaufzeichnung verfügbar, und man kann es als Wortlaut-Interview

auf ZEIT ONLINE lesen.

Weitere Episoden von „ZEIT Bühne“

Alle Episoden von ZEIT Bühne · Mehr Gesellschaft-Podcasts