Karin Prien: »Wir sind unserem eigenen Anspruch noch nicht gerecht geworden«
Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 9. Juni 2026 · 1 h 19 min
Bildungsministerin Karin Prien räumt Fehler der Bundesregierung in der
Kommunikation ihrer Reformpolitik ein. Man habe bei vielen Bürgerinnen
und Bürgern Erwartungen geweckt, denen die Regierung bisher nicht
gerecht geworden sei. Es gelinge zudem zu selten, überzeugend zu
erklären, warum Reformen notwendig sind – auch dann, wenn sie vielen
Menschen zunächst wehtäten. Zugleich kritisiert sie mit Blick auf die
Stimmung im Land die Art des Umgangs in der Regierung untereinander.
Diese mache »keine besondere Lust auf Politik«.
Im Gespräch mit Sibylle Anderl, Leiterin des ZEIT-Wissenschaftsressorts,
und Roman Pletter, Leiter des ZEIT-Wirtschaftsressorts, äußert sich
Prien auch zur wachsenden Zustimmung für die AfD. Es scheine eine »Lust
auf Disruption« zu geben, sagt sie. Angesichts der Tatsache, dass die
AfD in manchen Bundesländern als rechtsextremistisch eingestuft werde,
müsse ein Verbotsverfahren als Option offengehalten werden. Die mit
Abstand größte Gefahr für die Demokratie gehe ihrer Einschätzung nach
vom Vertrauensverlust der Mitte der Gesellschaft in die Politik aus.
Prien verteidigt zudem die von ihr geplante Umgestaltung des
Förderprogramms »Demokratie leben«. Prien will die Förderrichtlinien des
knapp 200 Millionen Euro umfassenden Programms anpassen, wodurch einige
Projekte ihre Förderung verlieren könnten. Kritiker befürchten, dass vor
allem linke Projekte aus der Förderung fallen könnten. Prien verteidigte
die geplante Umgestaltung und nannte die Debatte darum »etwas
hysterisch«. Es sei »absurd«, dass der Eindruck erweckt werde, dass
dadurch nun die Demokratie abgeschafft werde.
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung aus der Reihe »Eine
Stunde ZEIT mit …«, die am 6. Juni 2026 im Rahmen der Langen Nacht der
ZEIT an der Universität Hamburg stattfand.
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