Nancy Faeser: "Gerhard Schröder in der SPD lassen oder ausschließen? Ausschließen"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 18. Mai 2022 · 1 h 09 min

Über zu wenig Arbeit kann sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser in den

ersten Monaten ihrer Amtszeit sicher nicht beschweren: Der Krieg und die

Bedrohungslage in Europa, großes Leid in der Ukraine, eine sich

abzeichnende Wirtschafts- und Energiekrise und große Fluchtbewegungen.

Für Nancy Faeser stellen sich nun viele Fragen. Wie kann der Bund die

Länder und Kommunen dabei unterstützen, die Flüchtenden im Land zu

verteilen und zu versorgen? Und wie möchte sie die Bevölkerung

angesichts aktueller Preissteigerungen entlasten?

Von den großen Themen geht es aber zunächst zu einem für viele

Mitglieder unangenehmen Parteifreund in den Reihen der SPD. Nancy Faeser

fordert angesichts seiner umstrittenen Wirtschaftsbeziehungen nach

Russland einen Ausschluss von Altkanzler Gerhard Schröder aus der

Partei. "Ausschließen", sagt die Bundesinnenministerin entschieden im

Gespräch mit Tina Hildebrandt und Roman Pletter.

Bei den ukrainischen Geflüchteten in Deutschland habe das

Bundesinnenministerium sehr viel Wert auf die Registrierung gelegt,

erläutert Faeser. Sie schätzt, "dass ca. 700.000 in Deutschland sind".

Da die Geflüchteten überwiegend Frauen und Kinder seien, glaube sie

nicht, dass die Hilfsbereitschaft der Deutschen kippen werde.

Angesichts der aktuellen Preissteigerungen macht die

Bundesinnenministerin klar, dass sie nicht mit einem schnellen Ende der

Inflation rechnet: "Ich glaube, man muss die Menschen schon darauf

einstellen, dass manches teurer wird und dass sich das auch eine Weile

halten wird." Sie glaube dennoch, dass der Staat einen Ausgleich

schaffen müsse: "Das haben wir jetzt mit zwei Entlastungspaketen schon

getan und sicherlich kann das auch noch notwendig sein, dann ein drittes

hinterherzuschieben." Konkret nennt Faeser einen Ausgleich im Bereich

Lebensmittel sowie Zuschüsse für Familien, die ins Auge gefasst werden

könnten.

Auf die Frage, ob im Herbst coronabedingt wieder mit größeren

Freiheitseinschränkungen zu rechnen sei, meint Faeser: "Ich hoffe nein,

dass das nicht nötig sein wird."

Das Gespräch ist eine Aufzeichnung einer Onlineliveveranstaltung aus der

Reihe "Eine Stunde ZEIT mit…" vom 17. Mai 2022.

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