Joachim Gauck: „Wie wenig verteidigungsfähig wir ohne die USA wären, ist grotesk“

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 24. April 2023 · 1 h 12 min

Schon während seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt kritisierte Joachim

Gauck Russlands Umgang mit der Ukraine. Heute fordert er mehr

Waffenlieferungen in die Ukraine. Gauck sagt: Der Frieden in Europa sei

lange stabil gewesen, nun aber brauche es eine entschlossene Politik, um

Deutschland wieder abschreckungs- und verteidigungsfähig zu machen.

Der Ukraine-Krieg habe das Verhältnis Gaucks zum Pazifismus verändert.

Er stellt die Frage in den Raum: „Wenn du Verantwortung hast für deine

Mitmenschen, wirst du dann zuschauen können, wenn dein Volk überwältigt

wird? Eher doch wohl nicht.“

Im Gespräch mit Mariam Lau und Roman Pletter sagt Gauck, eigentlich

wolle China den Frieden: „Sie verdienen mehr, wenn Frieden ist. Und sie

möchten auch gerne den großen Markt in den Vereinigten Staaten und in

Europa nicht verlieren.“ Trotzdem plädiert er für einen Plan B: „Wenn

sie tatsächlich Taiwan angreifen, dann müssen wir unser Verhalten

ändern.“ Deutschland müsse sich in dem Fall „mit den US-Amerikanern, mit

den Japanern, Australiern, mit den Koreanern verbünden und zusehen, dass

wir uns durch Sanktionen oder was auch immer gegen das imperiale

Begehren Chinas wehren“.

Auf die Frage, ob er es bereue, nicht für eine zweite Amtszeit

kandidiert zu haben, sagt der ehemalige Bundespräsident: „Nein, das

bereue ich nicht.“ Gauck meint, nach seiner Vita sei es schon sehr

unwahrscheinlich gewesen, dass er überhaupt Präsident geworden sei. „Man

muss auch sagen: Tschüss, Leute.“

Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung Eine Stunde ZEIT

mit Joachim Gauck, die am 19. April in Berlin vor Publikum stattfand und

per Livestream übertragen wurde.

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