Irina Scherbakowa: "Ich glaube nicht an eine Demokratie mit Putin"
Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 13. Dezember 2022 · 51 min
Die Historikerin und Germanistin Irina Scherbakowa setzt sich seit
Jahrzehnten unermüdlich für die Demokratisierung der russischen
Gesellschaft und die Aufklärung der Verbrechen des Stalinismus ein. Sie
ist Mitbegründerin der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial,
die 2021 vom Obersten Gericht in Russland verboten wurde und am 10.
Dezember den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten hat. Irina
Scherbakowa wurde zudem am 4. Dezember mit dem Marion-Dönhoff-Preis für
internationale Verständigung und Versöhnung von der ZEIT, ZEIT-Stiftung
und Marion Dönhoff Stiftung ausgezeichnet.
Die Wirkung der Propaganda in Russland habe sie unterschätzt, räumt die
Menschenrechtlerin im Gespräch mit Anna Sauerbrey, außenpolitische
Koordinatorin der ZEIT, ein: "Der Staat kann alles machen, was er will."
Und: "Unser Regime ist unberechenbar geworden." Zwar seien viele,
darunter auch zahlreiche junge Menschen, auf die Straße gegangen, aber
bislang zu wenige.
Es sei sehr schmerzhaft zu sehen, wie in Russland jeden Tag immer mehr
"Inseln der Freiheit zusammenschrumpfen". Memorial werde sich jedoch
außerhalb Russlands neu gründen und sei unabhängig von der Liquidierung
weiter aktiv. Betrachte man die Geschichte, würden Diktaturen früher
oder später bestraft, so die Historikerin. Für Russland bedeute dies:
"Historisch gesehen gibt es diese Hoffnung."
Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung „Für Aufklärung und
Gerechtigkeit – Ein Gespräch mit Memorial-Gründerin Irina Scherbakowa“,
die am 5. Dezember im Helmut Schmidt Auditorium der Bucerius Law School
in Hamburg vor Publikum stattfand und per Livestream übertragen wurde.
Weitere Links zur Folge:
Marion-Dönhoff-Preis: Die Verlockung der Hoffnungslosigkeit
Menschenrechtsorganisation Memorial: Die Geschichtskämpferin
Russland: International isoliert
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