Ingo Schulze: "Ich weigere mich, mich zum Feind machen zu lassen"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 13. Juli 2020 · 1 h 07 min

Für Ingo Schulze gibt es heute viele Gründe, auf die Straße zu gehen. Im

Gespräch mit Martin Machowecz, dem Büroleiter der ZEIT im Osten, spricht

er im Podcast "ZEIT Bühne" über seine Abneigung gegenüber Pegida, seine

Rolle als Wendeautor und über seinen Roman "Die rechtschaffenen Mörder",

aus dem der Autor auch einige Passagen liest.

Mit der Radikalisierung der Gesellschaft hat sich Ingo Schulze also

nicht abgefunden. Damit, als Wendeautor bezeichnet zu werden, dafür

schon. Früher hätte er sich darüber aufgeregt, aber das sei ein Kampf

gegen Windmühlenflügel. Inzwischen sei es ihm "eigentlich schnurz". In

seinen Romanen geht es oft um Wende- und Nachwendeschicksale. Bekannt

wurde Ingo Schulze mit seinem 1998 erschienen Roman "Simple Storys – Ein

Roman aus der ostdeutschen Provinz" bekannt. Die Zeit Anfang der

NEunzigerjahre, in der er den Kapitalismus im Schnellkurs habe lernen

müssen, sei für ihn prägend gewesen.

Ingo Schulze, Sohn einer Ärztin, äußert sich außerdem kritisch zum

deutschen Gesundheitssystem, denn "wir müssen, glaube ich, als

Gesellschaft sehr genau sagen, wo wir keine Marktwirtschaft wollen. Wo's

irgendwie um Werte geht, eben wie Gesundheit und Würde, wo das eben

keine Rolle spielen muss". Er finde es "absurd, dass Krankenhäuser von

Hedgefonds gekauft werden können" und "sehr fragwürdig, wenn nicht mehr

die Rede von Patientinnen und Patienten ist, sondern von Kundinnen und

Kunden".

Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Online-Live-Veranstaltung aus der

Reihe "Eine Stunde ZEIT mit …", die am 24. Juni 2020 in Berlin

stattfand.

Weiterführende Links:

https://www.zeit.de/2020/11/die-rechtschaffenden-moerder-ingo-schulze-roman

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