Frank-Walter Steinmeier: "Ich habe viel Glück gehabt"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 3. Dezember 2020 · 48 min

Er kommt aus einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Tischler. Für

Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier war es eine Mischung aus

Talent, Glück und Zuspruch von Eltern und Lehrern, die ihm den Weg zum

Abitur und Studium geebnet haben. ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo

spricht mit dem Bundespräsidenten im Podcast über dessen

Bildungsbiografie.

Gerade weil Steinmeier, aufgewachsen in einem Haushalt "ohne Klavier und

Bibliothek", besondere Aufstiegschancen erhielt, liegt ihm das Thema

Bildung besonders am Herzen. Für ihn bleiben auch nach vielen Jahren

noch Fragen dazu, wie sehr ihn seine gesellschaftliche Herkunft geprägt

hat: "Sind ähnliche Biografien ein Grund dafür, dass man zusammenkommt,

dass man sich erkennt?" Auch der Vater seiner Frau war Tischler, sie

kommt aus ganz ähnlichen Verhältnissen wie der Bundespräsident.

Steinmeier ist außerdem nur zehn Kilometer entfernt vom ehemaligen

Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgewachsen.

Deutschland ist beim Thema Chancengleichheit noch nicht am Ziel

angekommen, sagt Frank-Walter Steinmeier. "Chancengleichheit ist erst

dann hergestellt, wenn es auch nicht als Unglück begriffen wird, wenn

Kinder aus Akademikerfamilien eine Ausbildung machen." Die

Benachteiligung von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund

beginnt schon im Kindergarten, kritisiert der Bundespräsident im

Gespräch mit Giovanni di Lorenzo. Chancengleichheit werde erst dann zur

Realität, wenn nicht nur die Kinder aus Familien wie seiner eigenen

Abitur machen können, sondern wenn es auch nicht als Unglück begriffen

wird, dass Kinder von Akademikerfamilien vielleicht eine Ausbildung

machen. Er findet: "Schulen müssen nicht Paläste sein. Es wäre schon

gut, wenn überall die sanitären Anlagen funktionieren. Es ist

entscheidend, was drinnen stattfindet."

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