Christian Lindner: "Ich habe eine skeptische Staatsfreundschaft"

Episode von ZEIT Bühne von DIE ZEIT · 3. November 2022 · 1 h 24 min

Noch nicht mal ein Jahr ist Christian Lindner Bundesfinanzminister, aber

angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine und inmitten der

Energiekrise steht er vor einer Reihe schwieriger Herausforderungen: Wie

geht es mit den Atomkraftwerken weiter? Und wie sollen die Bürgerinnen

und Bürger entlastet werden?

Mit der Ampel-Koalition will Lindner nicht erneut über die Laufzeiten

der Atomkraftwerke diskutieren: "Es ist jetzt einfach mal entschieden,

da muss man auch sagen: Jetzt ist Ende." Er gehe davon aus, dass

Deutschland ab April auch ohne Atomkraft auskommen werde. "Wir tun auch

alles dafür, dass es dazu kommt." Er persönlich hätte jedoch

"sicherheitshalber noch eine Back-up-Lösung auf den Hof gestellt."

Im Gespräch mit Mariam Lau und Roman Pletter, DIE ZEIT, lobt Lindner

Olaf Scholz in der Krise für seinen "sehr klaren Kompass", seine große

Erfahrung und seinen Sachverstand – "auch wenn er jetzt nicht der

leidenschaftlichste Rhetoriker ist". Seine Führungsrolle nehme der

Kanzler "sehr gut wahr", die Zusammenarbeit sei sehr kollegial.

Der FDP-Chef sagt, er pflege eine "skeptische Staatsfreundschaft", ohne

staatsgläubig zu sein. Er hätte gerne einen Staat, der bei den "großen

Aufgaben" wie Infrastruktur oder äußere Sicherheit, "die man nicht

individuell stemmen kann, mit den Ergebnissen seiner Leistung wieder

überzeugt und auf der anderen Seite einen Staat, der uns im Alltag dort

in Ruhe lässt, wo wir ihn nicht brauchen".

Es wurde auch persönlich: Auf die Frage, was Lindner seinem 20 Jahre

jüngeren Ich raten würde, sagte der Finanzminister: "Mach alle Fehler

wieder genauso."

Das Gespräch ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung "Eine Stunde ZEIT

mit Christian Lindner", die am 2. November in Berlin vor Publikum

stattfand und per Livestream übertragen wurde.

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