Plazentamol, blaue Pillen und andere Missverständnisse #42

Episode von Kannste dir nicht ausdenken! von Jule Kieseler · 4. September 2026 · 37 min

Moini ihr Raketen 🚀

Willkommen im Arbeitsalltag einer pharmazeutisch technischen Assistentin.

Dörthe ist eben dies, außerdem Freundin, Kleingärtnerin, selbsternannte Pummelfee – und eine Frau mit einer bemerkenswerten Fähigkeit, auch dann noch ziemlich freundlich zu bleiben, wenn andere Menschen längst sämtliche gesellschaftlichen Spielregeln über Bord geworfen haben.

Und Geschichten davon hat sie reichlich.

Wir sprechen über Plazentamol, die Salbe „mit dem Haschisch drin“, Fußgelenkmassagen, die eigentlich Bandagen sein sollten, fünf Liter Selleriesaft und die überraschend komplizierte Bestellung von „den weißen Tabletten“. Und ich erzähle nebenbei, warum ich mit ungefähr 15 Jahren in einer Eisdiele sehr selbstbewusst eine Kugel Kamasutra bestellt habe. Gemeint war Tiramisu. Natürlich.

Wir erfahren außerdem, was hinter einem Apothekentresen passiert, wenn Menschen samstagabends dringend ein verschreibungspflichtiges Medikament brauchen, aber leider keine Lust hatten, sich vorher um ein Rezept zu kümmern. Warum Dörthe die Plexiglasscheiben seit Corona inzwischen sehr zu schätzen weiß. Und was während der Pandemie eigentlich hinter den Kulissen los war, als plötzlich Masken und Desinfektionsmittel gebraucht wurden, die schlicht niemand hatte.

Aber irgendwann wird aus den lustigen Anekdoten ein Thema, das uns beiden dann doch ziemlich wichtig ist:

Wo endet ein flapsiger Spruch – und wo beginnt übergriffiges Verhalten?

Dörthe erzählt von einem Mann, der ihr erklärte, er habe immer gedacht, Rauchen mache schlank. Von Menschen, die ungefragt ihren Körper kommentieren. Und schließlich von einer Kundin, die Dörthe während einer Beratung zum Thema Abnehmen einfach über den Bauch streicht und feststellt: „Na, bei Ihnen dann nicht.“

Und genau da hört der Spaß irgendwann auf.

Denn wir dürfen witzeln. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein. Wir müssen auch nicht jedes Wort dreimal auf gesellschaftliche Unbedenklichkeit prüfen.

Aber vielleicht könnten wir uns trotzdem gelegentlich daran erinnern, dass der Körper eines anderen Menschen kein öffentliches Diskussionsangebot und erst recht keine Freifläche zum Anfassen ist.

Dörthes Quintessenz ist am Ende deshalb herrlich einfach:

Lächelt die Menschen vielleicht einmal öfter an. Und wenn ihr unbedingt einen Spruch drücken wollt, seid darauf vorbereitet, dass die Retourkutsche möglicherweise sitzt.

Und bitte: Seid nett zu euren Apothekenmitarbeitern. Ihr wisst nicht, wer vor euch schon da war. 😂

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