Mach mal deinen Shit-Keller leer! Über öffentliche Empörung, Gruppendynamik und Dreck vor der eigenen Haustür #43

Episode von Kannste dir nicht ausdenken! von Jule Kieseler · 11. September 2026 · 55 min

Moini ihr Raketen! 🚀

Satz der Stunde: Mach erstmal deinen eigenen Shit-Keller leer!

Melle ist wieder da – und diesmal weiß sie vorher nicht, worüber wir sprechen. Was natürlich dazu führt, dass wir innerhalb von 54 Minuten einmal quer durch die menschliche Psyche galoppieren.

Ausgangspunkt ist ein aktueller Fall rund um JP Krämer und ein veröffentlichtes Video, das Gewalt in seiner Beziehung zeigen soll. Und bevor hier jemand Schnappatmung bekommt: Nein, wir diskutieren nicht darüber, ob Gewalt okay ist. Ist sie nicht.

Uns interessiert etwas anderes: Was passiert eigentlich danach mit uns allen?

Warum reichen wenige Sekunden eines Videos, damit tausende Menschen plötzlich ganz genau wissen, wer Täter, Opfer, guter Mensch, schlechter Mensch und überhaupt für alle Zeiten gesellschaftlich verloren ist? Warum springen wir so bereitwillig auf Empörungszüge auf? Und warum fühlt es sich offenbar verdammt gut an, gemeinsam mit einer ganzen Kommentarspalte auf jemanden zu zeigen?

Von dort landen wir bei Gruppendynamik und dem Bedürfnis dazuzugehören. Bei Trollen im Internet. Bei Menschen, die glauben, der Nachbar grüße sie absichtlich nicht. Bei Fußballfans und der „dritten Halbzeit“. Bei teuren Marken, Hooligans und meiner kurzen Karriere mit 18-Loch-Springerstiefeln, Regenbogenschnürsenkeln und Glöckchen.

Und irgendwann wird es persönlicher.

Wir sprechen darüber, warum Menschen in Beziehungen bleiben, die ihnen nicht guttun. Über Prägungen, Selbstwert und alte Muster. Darüber, warum „Der ist halt so“ keine Entschuldigung für Gewalt ist – und warum die Frage nach dem Warum trotzdem etwas anderes ist als Täter-Opfer-Umkehr.

Außerdem geht's um Mental Load, Männer, die „Hast du deine Tage?“ für ein Argument halten, Kinder, die irgendwann tatsächlich lernen müssen, sich selbst ein Brot zu schmieren – und meinen Sohn, der das Problem mit der späteren Haushaltsführung ohnehin längst gelöst hat:

Er sucht sich einfach eine Frau, die das alles für ihn macht.

Mach erstmal deinen eigenen Shitkeller leer, bevor du bei anderen aufräumst.

Kannste dir nicht ausdenken. Kannste aber vielleicht mal drüber nachdenken.

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