Prokrastination: Vier Typen, ein Verhalten

Episode von TICst du richtig? von Thomas Wissing · 17. August 2026 · 19 min

Prokrastination wird fast immer moralisch erklärt: zu undiszipliniert, zu wenig Struktur, zu faul. Dabei ist Prokrastination nur das sichtbare Verhalten — die eigentliche Frage ist, welche Funktion es gerade erfüllt.

In dieser Folge spreche ich über vier unterschiedliche Typen von Prokrastination, die mir über die Jahre in Klinik und Praxis immer wieder begegnet sind. Der Druck-Aufschieber, der erst unter Zeitdruck in Aktivierung kommt. Der Bewertungs-Vermeider, der sich durchs Aufschieben vor Scham und Kritik schützt. Der Abschluss-Vermeider, für den Fertigwerden mit Verlust verbunden ist. Und der exekutive Typ, bei dem — etwa bei ADHS — die Handlungssteuerung selbst das Problem ist, nicht die Motivation.

Von außen sieht bei allen vieren dasselbe Verhalten identisch aus. Innen läuft etwas komplett anderes ab. Und genau deshalb funktioniert der Standardrat "Mehr Disziplin" bei manchen Menschen und bei anderen gar nicht.

Ist Prokrastination also eine Trauma-Reaktion? So pauschal lässt sich das nicht beantworten. Traumatische Erfahrungen können Prozesse beeinflussen, die dabei eine Rolle spielen, etwa Scham oder ein starkes Kontrollbedürfnis — aber Prokrastination allein erlaubt keinen Rückschluss auf ein Trauma.

Für Coaches, Therapeuten und Berater zeige ich, wie man diese Unterschiede sicher erkennt, bevor man mit dem falschen Rat gegen die falsche Wand rennt.

Mehr dazu: tic-academy.com/eintragung.

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