Prag 1989: Freiheits-Botschaft. Der Aufbruch nach Westen

Episode von historycast - Was war, was wird? von Dr. Almut Finck und Dr. Heiner Wember · 9. Oktober 2026 · 38 min

Am Abend des 30. September 1989 tritt Hans-Dietrich Genscher auf den Balkon des Palais Lobkowicz in Prag. „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“ – Weiter kommt Genscher nicht: Der Jubel Tausender DDR-Bürger*innen verschluckt den Rest des Satzes.

In der dritten Folge der fünften historycast-Staffel „Über Grenzen. Transnationale Orte und Momente der Demokratiegeschichte“ spricht Almut Finck mit dem ehemaligen Diplomaten Wolfgang Ischinger über die dramatischen Tage in der Prager Botschaft. Ischinger war damals enger Mitarbeiter des westdeutschen Außenministers Genscher und betreute die Menschen, die in der Botschaft Zuflucht gesucht hatten.

Er erzählt von Kälte, Angst und Ungewissheit – und von jener Nacht, in der er einen Sonderzug mit mehreren Hundert Flüchtlingen durch die DDR begleitete. Die Fahrt, von der DDR-Führung als Machtdemonstration geplant, wurde zu einem sichtbaren Zeichen ihres Zerfalls. Als der Zug am Morgen im oberfränkischen Hof einfuhr, riefen die Menschen: „Freiheit! Freiheit!“

Die Folge fragt zugleich nach dem Erbe von 1989: Was bedeutete Freiheit damals? Und warum ist die Erinnerung an Flucht, Aufbruch und demokratische Selbstbestimmung heute so wichtig?

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