Nach dem PISA-Schock: Chancen im Schulalltag

Episode von Die Geldfrage von Dezernat Zukunft · 6. Oktober 2026 · 47 min

Die PISA-Ergebnisse sind so schlecht wie nie, und laut der neuen Schulleitungsstudie ist nur rund ein Drittel der Schulleitungen mit der Situation an der eigenen Schule zufrieden. Was heißt das im Alltag einer einzelnen Schule?

Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Tilmann Kötterheinrich-Wedekind, Schulleiter des Hermann-Ehlers-Gymnasiums in Berlin-Steglitz-Zehlendorf. Sein Befund: Die entscheidende Ursache der schwachen PISA-Ergebnisse ist nicht Corona und auch nicht Social Media, sondern vor allem soziale Ungleichheit. Fast nirgendwo in der EU hängt Bildungserfolg so stark von der Herkunft ab wie in Deutschland.

Kötterheinrich-Wedekind gibt außerdem Einblicke in die Zahlen einer Schule: Wie groß ist der finanzielle Spielraum, den ein Schulleiter tatsächlich hat? Welche Rolle spielt Datenanalyse bei der Bekämpfung von Lernlücken? Und wieso ist die eigene Lehrkräfteausbildung eine der wirksamsten Antworten auf den Lehrermangel? Am Ende geht es um die großen Stellschrauben: zentralere Steuerung von Lehrkräften statt Konkurrenz zwischen Bundesländern und Bezirken, ein bundesweites Sanierungsprogramm für Schulgebäude und mehr Zeit für persönliche Beziehungsarbeit statt reiner Unterrichtsverpflichtung.

Das Wichtigste:

• Der finanzielle Spielraum eines Schulleiters ist klein: Von einem Gesamtbudget inklusive Personalkosten von 4 bis 4,5 Millionen Euro kann er nur über rund 150.000 Euro frei verfügen.

• Förderbänder statt Fachunterricht: individuelle, leistungsdifferenzierte Förderung unabhängig vom Lehrplan, hilft Schüler:innen Basiskompetenzen wie Rechnen und Sprache aufzuholen.

• Eigene Lehrkräfteausbildung als Rezept gegen Lehrermangel: Wer schon im Studium an die Schule gebunden wird, bleibt später eher an der Schule.

• Sanierungsstau als Dauerzustand: Aktuell müssen Schulen teilweise bis zu 15 Jahre auf einen Sanierungszuschuss warten aufgrund von aufgestauten Bedarfen.

• Politische Vorschläge: ein bundesweites Sanierungsprogramm für Schulgebäude, zentralere Steuerung von Lehrkräften statt Wettbewerb zwischen Ländern und Bezirken, und weniger Unterrichtsverpflichtung zugunsten individueller Förderung.

Zum Nachlesen/Nachhören:

• Die aktuellen PISA-Ergebnisse für Deutschland gibt es hier.

• Hier gibt es mehr zum erwähnten Buch von Ties Rabe "Endlich mal anfangen. Was Kinder und Schulen wirklich brauchen, um Bildung zu sichern".

• Wer erfahren will, welche Maßnahmen im Klassenzimmer besonders erfolgreich sind, findet auch Antworten in der viel zitierten Meta-Studie von John Hattie.

• Der neue OECD-Report "Bildung auf einen Blick 2026" beschäftigt sich insbesondere mit dem Lehrkräftemangel.

• Den Geldbrief des Dezernat Zukunft, in dem Hanna Merki, Dr. Florian Schuster-Johnson und Philippa Sigl-Glöckner die wirtschaftlichen Folgen der PISA-Ergebnisse einordnen, gibt es hier.

• Die neueste Schulleitungsstudie gibt es hier.

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