Fabian Saul über Refrains und Verunsicherung
Episode von DEAR READER von Mascha Jacobs, Center for Literature · 24. Oktober 2024 · 1 h 13 min
Dieses Mal ist Fabian Saul bei DEAR READER zu Gast. Fabian Saul ist Autor, Komponist und Chefredakteur des Magazins Flaneur, Fragements of a Street. Jede Ausgabe ist einer Straße gewidmet. Jedes Mal ein anderes Land. Die Straße ist hier Raum kollektiver Erinnerung. Dabei verfolgt das Magazin einen kollaborativen und transdisziplinären Ansatz. Das lässt sich auch auf verschiedene andere Arbeiten von Fabian Saul übertragen. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet er als Komponist und Songwriter. Seine Musik veröffentlicht er unter dem Künstlernamen SAUL. Er komponiert und arrangiert aber für viele Freund*innen und ist eher an Kollaborationen interessiert. Er macht den Sound und die Musik für das auditive Literaturmagazin Stoff aus Luft, das Tanasgol Sabbagh und Josefine Berkholz verantworten. Fabian ist auch für die Komposition und Dramaturgie der Audioserie Schlechte Wörter, die er zusammen mit Mathias Zeiske produziert, zuständig. Sie ist ebenfalls sehr empfehlenswert und auch als Podcast online zu finden ist. »Wir gehen von einem Text aus, damit ein anderer beginnen kann.«
Neben all diesen Aktivitäten schreibt Fabian Saul seit fast einem Jahrzehnt an einem Roman. Die Trauer der Tangente ist gerade bei Matthes und Seitz erschienen. Das Buch eine interessante eher nach musikalischen und cineastischen Kompositionsmodellen funktionierende Montage von Fragmenten ist mit der Hypersensibilität eines Trauernden geschrieben. Die Trauer der Tangente ist ein Versuch oder eine Suche danach, wie man Erinnerungen oder Erinnerungsruinen retten oder erzählen kann. Es ist eine fiktive Landkarte geworden, gespickt mit Relektüren, Geistern, Zitaten aus anderen Texten, Musik, Filmen. Ein Buch, das auch aus kleinen Porträts von Nina Simone, Jean Genet, Simone Weil, Chantal Akerman, Agnès Varda, Clarice Lispector, Leonard Cohen, Ocean Vuong, PJ Harvey, Ingmar Bergman, Marguerite Duras, Francesca Woodman, May Ayim, Maya Deren, Virginia Woolf und Walter Benjamin besteht. Nicht nur weil Mascha Jacobs viele diese Künstler*innen sehr liebt ist Fabian Saul ein idealer Gast für DEAR READER.
Ausführlicher sprechen sie über ein Gedicht von Frank O’Hara For Grace, After a Party von 1954, das Fabian Saul mitgebracht hat. Und über Schlechte Wörter einer der schönsten und seltsamsten Texte von Ilse Aichinger. Fabian Sauls Buch und Arbeitsweise und diese Texte führen die beiden zu Gesprächen über Verunsicherung, Freund*innenschaft, Dreiecks-Konstellationen, Trauer, Wissensproduktion, poetische Erfahrung, Erinnerung, Kompositionsprinzipen, Tracks, Montagen, das Kino, Sprünge und Sprachskepsis. Viel Spaß beim Hören!
https://www.youtube.com/watch?v=ohk3DP5fMCg
https://www.instagram.com/stoffausluft/
https://soundcloud.com/hkw/sets/schlechte-woerter-bad-words
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