Ich kann 17 Stunden arbeiten – aber Ruhe macht mich nervös: Wann Leistung zur Flucht wird und warum Selbstführung manchmal bedeutet, bewusst nichts zu tun
Episode von Border Allein – Selbstführung für emotional intensive Menschen von Border Allein · 17. September 2026 · 36 min
Ich kann 17 Stunden arbeiten.
Wirklich.
Ich kann mich in Projekte verbeißen, Probleme lösen, planen, organisieren und weitermachen, bis irgendwann einfach nichts mehr geht.
Aber wenn ich zwei Stunden nichts tun soll?
Dann wird es interessant.
Denn irgendwann habe ich mir eine ziemlich unangenehme Frage gestellt:
Bin ich wirklich einfach nur fleißig – oder kann ich Ruhe schlecht aushalten?
Genau darum geht es in dieser Folge.
Nicht um Produktivitätstipps.
Nicht um Zeitmanagement.
Nicht darum, wie Du noch mehr in Deinen Tag pressen kannst.
Sondern darum, was passiert, wenn Beschäftigung so normal wird, dass Ruhe sich falsch anfühlt.
Wenn der Laptop zu ist.
Wenn nichts Dringendes ansteht.
Wenn niemand gerade etwas von Dir will.
Wenn Du theoretisch einfach sitzen könntest.
Und Dein Kopf trotzdem sofort sagt:
„Du könntest doch noch …“
Noch eine Aufgabe.
Noch eine Mail.
Noch eine Idee.
Noch etwas optimieren.
Ich habe lange gedacht, das sei einfach Ehrgeiz.
Und ja, ein Teil davon ist Ehrgeiz.
Aber irgendwann musste ich mir eingestehen:
Vielleicht ist Beschäftigung manchmal auch eine gesellschaftlich akzeptierte Form von Flucht.
Nicht immer.
Aber manchmal.
Und dann wird die nächste Frage spannend:
Wovor eigentlich?
Vor Gedanken?
Vor Unsicherheit?
Vor Kontrollverlust?
Vor dem Gefühl, nicht genug zu leisten?
Oder davor, still genug zu werden, um sich selbst wieder zu hören?
Ich spreche sehr persönlich darüber, warum Funktionieren früher für mich eine Stärke war und später zur Belastung werden kann.
Denn nicht alles, was uns früher geholfen hat, hilft uns automatisch für immer.
Manches trägt uns durch schwierige Zeiten.
Und manches bleibt so lange bestehen, bis wir irgendwann merken:
Ich mache vielleicht denselben alten Scheiß – nur in einem anderen Gewand.
Aus Angst wird Überplanung.
Aus Kontrollverlust wird der Versuch, alles kontrollieren zu wollen.
Aus Misstrauen wird: „Ich mache es lieber selbst.“
Aus Flucht wird Dauerbeschäftigung.
Aus Selbstverlust wird permanentes Funktionieren.
Von außen sieht das vielleicht nach Disziplin, Fokus und Erfolg aus.
Nur innen fühlt es sich trotzdem nicht ruhig an.
Ich erzähle davon, wie ich begonnen habe, genau das bei mir zu erkennen.
Wie ich lernen musste, Dinge bewusst liegen zu lassen.
Pausen zu machen.
Mit dem Hund rauszugehen.
Zu essen, ohne gleichzeitig zu arbeiten.
Mich hinzulegen.
Ein Wochenende nicht permanent zu „nutzen“.
Und das Verrückte war:
Ich habe dadurch nicht weniger geschafft.
Ich war danach klarer.
Für mich ist genau das Selbstführung.
Nicht jede Minute maximal effizient zu machen.
Sondern zu merken, wann ich kippe.
Wann aus Ehrgeiz Druck wird.
Wann aus Fokus Tunnelblick wird.
Wann aus Produktivität Flucht wird.
Und manchmal bedeutet Selbstführung dann eben nicht:
„Weiter.“
Sondern:
„Stopp.“
Vielleicht kennst Du diesen Gedanken:
„Ich darf jetzt keine Pause machen.“
Vielleicht ist genau das manchmal der Moment, in dem Du sie brauchst.
Nicht weil Du schwach oder unmotiviert bist.
Sondern weil Dein ganzes System längst mehr sagt, als Du hören willst.
Wann hast Du zuletzt wirklich nichts getan?
Ohne Handy.
Ohne Netflix.
Ohne Haushalt.
Ohne Mails.
Ohne To-do-Liste.
Ohne „ich könnte ja noch schnell …“
Einfach nichts.
Und wenn jetzt sofort der Gedanke kommt:
„Dafür habe ich keine Zeit“
dann stell Dir eine zweite Frage:
Hast Du wirklich keine Zeit?
Oder kannst Du es nicht aushalten?
Vielleicht ist Ruhe nicht das Gegenteil von Leistung.
Vielleicht ist Ruhe der Ort, an dem Du merkst, warum Du überhaupt so viel leisten musst.
Und vielleicht sagt Dir manchmal nicht die Arbeit, wie gestresst Du wirklich bist.
Sondern die Ruhe.
Wenn Du nur dann ruhig bist, wenn Du beschäftigt bist, bist Du wahrscheinlich nicht wirklich ruhig.
Und genau da beginnt für mich Selbstführung.
— Sven
#BorderAllein #Selbstführung #Persönlichkeitsentwicklung #MentaleGesundheit #Podcast
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