Z00242 Tokusan trägt seine Schalen. (Pfingst-Sesshin 09.06.2025)
Episode von Zen von Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi · 4. Oktober 2025 · 38 min
In jungen Jahren war Zenmeister Tokusan dafür bekannt, seinen Schülern mit Schlägen und Schreien zur Erkenntnis zu verhelfen. Ganz anders agiert jedoch der alte Tokusan, dem wir in Koan 13 des Mumokan und Fall 214 des Shûmon Kattôshû begegnen. In Letzterem kommentiert Shoukuo das Schweigen Tokusans als Antwort auf seine Frage, wohin die Weisen der alten Zeit gegangen seien, mit den Worten: »Ich verlangte ein schnelles Ross, aber ich erhielt einen lahmen Gaul.« Von Zeit zu Zeit zweifeln wohl alle Zenübenden an ihrem Lehrer und kommen, wie Seppo und Ganto zu dem Schluss, dass ihr Meister das letzte Zenwort wohl nicht kennt, wenn er mit seinen Essschalen in sein Zimmer zurückkehrt, statt seine Schüler mit einem tiefsinnigen Kommentar zurechtzuweisen, weil das Essen nicht pünktlich fertig war. Es ist eben bisweilen schwierig zu erkennen, dass Tokusans Reaktion Ausdruck einer heiteren Gelassenheit ist, die es ihm ermöglicht, das Verhalten seiner Schüler einfach stehenzulassen. Tokusan vertraut darauf, dass sie aus ihrem Verhalten lernen, wenn die Zeit reif ist. Indem er auf nicht identifizierte Weise auf das Treiben der Soheiten schaut, verkörpert er Upekkhâ, die vierte Art des Mitgefühls. Tokusan nimmt zur Kenntnis, dass Seppo und Ganto sich nicht angemessen verhalten, und lässt sie reden, da sie es nicht besser wissen. Doch damit fördert er, dass sie sich selbst hinterfragen und sich schließlich weiterentwickeln. Mit seinem raumgebenden Wesen begnügt sich Tokusan damit, als Vorbild zu dienen, und lädt auch uns ein, ihm zu folgen.
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