Z00256 Sesshin als Feld der liebenden Güte und inneren Metamorphose. (Herbstmond-Sesshin 08.11.2025)
Episode von Zen von Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi · 18. April 2026 · 37 min
In diesem Teisho lädt Christoph Rei Ho Hatlapa uns dazu ein, die Teilnahme an einem Sesshin als einen Akt der Selbstliebe zu verstehen. Frühes Aufstehen, langes Sitzen und Schweigen wirken auf den ersten Blick zwar abschreckend. Doch genau in dieser Strenge liegt die Fürsorge, die es uns ermöglicht, uns nicht länger selbst aus dem Weg zu gehen, sondern zu erforschen, wer oder was wir jenseits unserer Geschichten wirklich sind. Dabei geht es nicht um Selbstbespiegelung, sondern um die Bereitschaft, sich im Zusammenhang der fünf Skandhas zu betrachten und zu erkennen, wie sehr das vermeintlich fixe Ich ein Prozess ist, der vom gesamten Kontext des Lebens bedingt ist. Shin’ichi Hisamatsu, der philosophische Lehrer von Ōi Saidan Roshi, vergleicht das wahre Selbst mit einer Raupe, die sich verpuppt und schließlich als Schmetterling ihre Schale durchbricht. Dabei vereinigt sich die Raupe nicht mit dem Schmetterling, indem sie sich selbst aufgibt, sondern die Puppe verneint sich selbst, erlangt Freiheit von sich selbst und wird so zum Schmetterling. Ein Sesshin ist vergleichbar mit dem Kokon, in dem wir uns der Krise, der Enge und dem Nicht-Wissen nicht mehr entziehen können. Wenn wir das alte Ich nicht aus Selbsthass verneinen, sondern aus Durchschauen, kann etwas Weites, Leichtes, Unverfügbares auftauchen: unsere Buddha-Natur. Ein Mensch, der auf diese Weise weich geworden ist, erlebt sich nicht länger als getrennt von der Welt und den Wesen um sich herum. Es entsteht ein Raum, in dem wir uns selbst freundlicher betrachten können. Unser Herz öffnet sich für die vier Qualitäten der Liebe – liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Diese bleiben keine abstrakten Ideale, sondern scheinen im ganz Konkreten auf: in der Partnerschaft, bei der Erziehung von Kindern, in der Sangha, in unserem Umgang mit Konflikten und mit der verletzten Erde. Die Art und Weise, wie wir unsere eigene innere Landschaft kultivieren, prägt unmittelbar unseren Blick auf das gesamte Mit-Leben.
Dieses Teisho wurde im Kô Getsu An (https://zen-bonn.de) gehalten.
Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende:
Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website https://choka-sangha.de/spenden/
Herzlichen Dank
Weitere Episoden von „Zen“
- Z00269 Der Buddha erschafft keine schöne harmonische Welt. (Pfingst-Sesshin 25.05.2026) 17. Oktober 2026
- Z00268 Keine Erklärung, keine Bedeutung - und dadurch grenzenlos frei. (Pfingst-Sesshin 24.05.2026) 3. Oktober 2026
- Z00267 Wie frei kann ein Mensch werden, obwohl er in Bedingungen und Zusammenhänge eingebunden bleibt? (Pfingst-Sesshin 23.05.2026) 19. September 2026
- Z00266 Dies ist Myōhō. (Sesshin 22.05.2026) 5. September 2026
- Z00265 Seijos Seele ist von ihrem Sein getrennt. (Zentag Niederrhein 21.03.2026) 22. August 2026
- Z00264 Baso und die hundert Verneinungen. (Sesshin 08.03.2026) 8. August 2026
- Z00263 Was, wenn alles Leid aus verwirrten Gedanken resultiert? (Sesshin 07.03.2026) 25. Juli 2026
- Z00262 Wenn du erkennst, woher du kommst, wirst du von Natur aus tolerant. (Sesshin 17.01.2026) 11. Juli 2026
- Z00261 Wie gelangt ihr dorthin, wo es keinen Grashalm in 10000 Meilen gibt? (Rohatsu 05.12.2025) 27. Juni 2026
- Z00260 Ein Gipfel ist nicht weiß (Rohatsu 04.12.2025) 13. Juni 2026
- Z00259 Du bist Buddhas Knochen! (Rohatsu 02.12.2025) 30. Mai 2026
- Z00258 Sei hellwach und lass dich nicht in die Irre führen! (Rohatsu 01.12.2025) 16. Mai 2026
- Z00257 Zeichenlosigkeit erkennen und organische Liebe praktizieren. (Herbstmond-Sesshin 09.11.2025) 2. Mai 2026
- Z00255 Der Geist ist ein Künstler. (Herbst-Sesshin 25.10.2025) 4. April 2026
- Z00254 Was ist Zen? (Herbst-Sesshin 24.10.2025) 21. März 2026