Z00241 Denke weder gut noch böse. (Pfingst-Sesshin 07.06.2025)
Episode von Zen von Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi · 20. September 2025 · 42 min
Die meisten Menschen möchten in einer Welt leben, in der Mitgefühl und Weisheit regieren. Doch im zehnten Abschnitt des Diamant-Sūtras heißt es, dass der Tathāgata, als er unter dem Buddha Dīpaṃkara übte, keine Wahrheit erlangte und kein harmonisches Buddha-Feld schuf. Denn ein solches zu schaffen, bedeutet in Wirklichkeit, kein harmonisches Buddha-Feld zu schaffen. Eine schöne Welt ist also untrennbar mit einer hässlichen Welt verbunden. Mal schlägt das Pendel zur einen und mal zur anderen Seite aus. Der Buddha empfiehlt daher, dass ein Bodhisattva einen Geist entwickeln sollte, der nirgendwo beheimatet ist. Doch wie entwickelt man einen solchen Geist? Als Daikan Enō, der spätere sechste Patriarch des Zen, diese Passage des Diamant-Sūtras hörte, wurde er erleuchtet und ging ins Kloster. In Fall 23 des Mumonkan bemerkte er dazu: »Denke weder gut noch böse. In diesem Augenblick, wo ist dein wahres Selbst?« Der Diamant-Sūtra-Gelehrte Tokusan pausierte in Koan 28 des Mumonkan an einem Imbiss. Beim Anblick seiner Kommentare sagte die alte Frau hinter dem Tresen: »Ich hörte, dass im Sūtra gesagt wird, der vergangene Geist kann nicht festgehalten werden. Der gegenwärtige Geist kann nicht festgehalten werden, der zukünftige Geist kann nicht festgehalten werden. Jetzt möchte ich euch fragen: Welchen Geist wollt ihr denn erfrischen?« Tokusan war so verblüfft, dass er den Zenmeister Ryōkan aufsuchte und sich mit ihm austauschte. Als Tokusan spät abends ging, war es draußen finster und er bat um eine Fackel. Ryōkan reichte sie ihm und blies sie aus, als Tokusan sie nahm. Daraufhin hatte Tokusan eine tiefe Erfahrung. Natürlich können auch wir heute den Geist entwickeln, der nirgendwo verweilt, und ein harmonisches Buddha-Feld erschaffen, das nur deshalb so genannt werden kann, weil es keines ist.
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