Gebt mir die Zukunft und ich werde die Welt bewegen
Episode von Wie poetisch ist die Wissenschaft von Alexander Kluge · 14. September 2021 · 23 min
Die Moderne im 20. Jahrhundert entsteht auf zwei ganz verschiedenen Seiten: aus dem Projekt der Aufklärung und aus der "Sehnsucht nach Ordnung". In beiden Fällen, vor allem aber bei der Sehnsucht nach Ordnung, verschränken sich Mythos und Moderne. Der Zeitgeschichtler Fernando Esposito, DHI London und Universität Tübingen, untersucht diese Frage sowohl für die Hochkunst als auch in der massenhaften Populärkultur. Man versteht die Moderne schlecht, sagt er, wenn man die Linie der "konservativen Umstürzler" auslässt. Das Idol, gleichzeitig für Mythos und Moderne, ist der Homo volans, der fliegende Mensch, das Bild des Ikarus, der stürzt und wiederaufersteht. Die Futuristen sind nicht begriffen, wenn man sie bloß unter dem Faschismus subsumiert. Das Vertrauen in die Aufwärtsbewegung des Fliegens findet sich bei dem Aufklärer und analytischen Geist Aby Warborg ebenso, wie bei Marinetti oder schon auf der Flugschau in Brescia 1909.
Erstausstrahlung am 27.06.2011
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