Roberto + Giacomo Carturan: Erst das Ragout, dann Rigoletto!
Episode von Soulfood Passionistas von Carsten Henn, Buddy Zipper · 10. Juli 2026 · 1 h 26 min
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Folge 203: Mitten in Köln, wo das 4711-Glockenspiel die Marseillaise schmettert, steht seit Jahrzehnten ein Soul-Food-Tempel: das Ristorante Alfredo. Carsten Henn und Buddy Zipper nehmen Platz bei Roberto „Tino" Carturan – Gastronom, ausgebildeter Bariton und der einzige Wirt der Stadt, bei dem freitagabends nach dem Dessert Verdi serviert wird. Seit 1999, mit einem Flügel, der eigentlich nur für einen Probeabend geliehen war und das Haus nie wieder verlassen hat.
Mit am Tisch: Sohn Giacomo, gelernter Winzer und studierter Önologe, der jahrelang die Produktion eines süddeutschen Weinguts verantwortete – bis der Familienbetrieb rief. Seit einem Jahr ist er zurück, keinen Moment bereut, sagt er. Und dann ist da noch Nonno Otto, 91, der noch jeden Mittag persönlich über die Qualität wacht. Natürlich mit einem Gläschen Rotwein, egal was auf dem Teller liegt. Weißwein? Kommt nicht infrage – der Mann ist bekennender Rossista.
Es geht um Pappardelle mit Entenragout, die seit 1973 auf der Karte stehen und damit älter sind als mancher Stammgast. Um den ewigen Glaubenskrieg Butter gegen Olivenöl, in dem Tino eine klare, fast schon süditalienische Position bezieht – während Buddy tapfer die Nussbutter verteidigt. Um Risotto-Philosophie zwischen Vialone und Carnaroli, um Domingo am Nebentisch in den großen Kölner Opernjahren und um ein Zicklein am Spieß in der Alta Langa, dessen Duft Tino nach Jahrzehnten noch auf der Zunge hat.
Nebenbei erfährt man, warum ein Restaurant mit 36 Plätzen am Wochenende geschlossen bleibt und trotzdem niemandem etwas fehlt. Warum man eine Küche erst richtig versteht, wenn man den Koch singen gehört hat. Und warum zwei Kinder, die ein komplettes Menü essen, ohne einmal aufs Handy zu schauen, für einen Gastronomen das schönste Kompliment der Woche sind.
Drei Generationen, ein Flügel, null Molekularküche – dafür eine Familiengeschichte, bei der am Ende sogar Pavarotti mitsingen darf. Wer nach dieser Folge nicht sofort einen Tisch für Freitagabend reserviert, hat nicht richtig zugehört.
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