[Buchrezension] "Geteilte Träume" – Ein Buch über die Wunden der deutsch-deutschen Teilung
Episode von Im Buchfieber: Der Podcast von Literaturlounge.eu von LiteraturLounge · 6. April 2026 · 9 min
In dieser Episode beschäftigen wir uns mit dem Buch "Geteilte Träume" von Ulla Mothes, das einen tiefen Einblick in das Leben einer jungen Frau im Berlin der 1990er Jahre bietet. Die Protagonistin Inke lernt, dass sie als Säugling in der DDR adoptiert wurde, was sie auf eine emotionale Reise zu ihren biologischen Wurzeln schickt. Die Frage, wer ihre leiblichen Eltern sind und warum sie zur Adoption freigegeben wurde, wird zum zentralen Thema dieser Erzählung und am Ende berührt sie die komplexen Beziehungen zu zwei Familien, die um sie ringen.
Wir diskutieren die emotionalen und psychologischen Herausforderungen, mit denen Inke konfrontiert wird, als sie immer mehr über ihre Herkunft erfährt. Ihre Suche nach Identität und Zugehörigkeit ist geprägt von der Zerrissenheit zwischen ihrer vermeintlichen Familie, die sie liebevoll aufgezogen hat, und ihrer leiblichen Mutter, die ein ganz anderes Leben hatte. Die Erzählung beleuchtet die verschiedenen Facetten des Lebens in der DDR, von Zwangsadoptionen bis hin zu den Ausgangssperren und dem Mangel an Freiheit, den viele Menschen erlitten haben.
Außerdem reflektiere ich persönlich über die Gefühle, die mich beim Lesen des Buches begleitet haben. Ich teile meine eigenen Gedanken darüber, wie es wäre, plötzlich herauszufinden, dass man adoptiert wurde, und welche inneren Konflikte das hervorrufen könnte. Die Tragik, die sich entfaltet, als Inke erfährt, dass sie ihrer Mutter nichts spenden kann, wirft Fragen zu Identität und Blutbindung auf.
Wir tauchen tiefer in die Erinnerungen Inkes ein, die von den Geschichten ihrer Familie erzählt werden. Von den Herausforderungen, denen sich ihre leibliche Mutter Petra gegenüber sieht, bis hin zu den historischen Kontexten der deutsch-deutschen Teilung und den schmerzhaften Erfahrungen von Fluchtversuchen. Die Erzählweise von Mothes schafft eine dichte Atmosphäre, die es ermöglicht, die komplexen Emotionen und die Realität der Betroffenen nachzuvollziehen.
Der Roman erfordert daher ein gewisses Maß an emotionaler Distanz, und ich gestehe, dass ich anfangs zögere, dieses Buch zu lesen, weil ich die Thematik als belastend empfinde. Dennoch zeigt Mothes durchweg Mitgefühl und Verständnis für die Charaktere, was den Roman trotz seiner schweren Themen lesenswert macht. Ich bin überzeugt, dass "Geteilte Träume" ein wichtiges Werk ist, um Verständnis für die deutsch-deutsche Geschichte zu fördern und den Leser dazu einzuladen, die Grautöne des Lebens zu erkennen.
Abschließend kann ich nur empfehlen, sich "Geteilte Träume" zu Gemüte zu führen. Es bietet nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch wertvolle Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Akteure dieser Zeit. Ich freue mich auf zukünftige Werke von Ulla Mothes und bin gespannt, welche weiteren Geschichten sie zu erzählen hat.
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