048 Varroaresistenz mit Biotechnik: Thomas Rieck im Gespräch
Episode von Honigraum von Markus Habermehl · 10. September 2026 · 1 h 43 min
"Nicht die Chemie soll die Milbe in Schach halten, sondern das Volk selbst." So bringt Thomas Rieck im Gespräch mit Markus Habermehl auf den Punkt, worum es in dieser Honigraum-Folge geht: Varroaresistenz durch Biotechnik, ganz ohne Säuren oder Reizstoffe.
Markus Habermehl lässt sich von Thomas Rieck durch die wichtigsten biotechnischen Verfahren führen, mit denen sich der Varroa gezielt die Vermehrungsgrundlage entziehen lässt:
1. Brutpause und Brutunterbrechung. Weil die Varroa sich ausschließlich in verdeckelter Brut vermehrt, unterbricht eine gezielte Brutpause ihren Reproduktionszyklus spürbar.
2. Bannwabenverfahren. Thomas Rieck rät, früh im Jahr damit zu beginnen, nicht erst im August, wenn der Befallsdruck ohnehin schon hoch ist.
3. Schwarmvorwegnahme. Praktisch eingesetzt, nutzt sie den natürlichen Brutstopp beim Schwärmen gezielt gegen die Milbe.
4. VSH und SMR als Zuchtmerkmale. Völker mit ausgeprägtem Varroa Sensitive Hygiene- und Suppressed Mite Reproduction-Verhalten räumen befallene Brutzellen selbst aus und bremsen die Milbenvermehrung so von innen heraus.
5. Bruthygiene als Auswahlkriterium. Wer seine Königinnen weiterzüchten will, sollte laut Thomas Riek gezielt die Völker mit guter Bruthygiene und geringem Befall bevorzugen, nicht allein den Honigertrag.
Regelmäßige Kontrolle bleibt dabei Pflicht: Markus Habermehl und Thomas Rieck sind sich einig, dass Milbenzahlen laufend geprüft werden müssen, etwa per Bodenschieber oder Auswaschprobe. Ohne Zahlen lässt sich nicht beurteilen, ob ein Verfahren wirklich greift.
Ein zweiter Schwerpunkt der Folge ist die Überwinterung. Thomas Rieck plädiert für gute Dämmung, insbesondere an der Decke, für eine angepasste Fütterung und diskutiert offen die Streitfrage offener gegen geschlossener Böden. Sein Argument: Wer die Völker warm hält, spart Futter und reduziert Stress, was sich wiederum auf die Widerstandsfähigkeit gegen Varroa auswirkt.
Markus Habermehl macht in der Folge auch deutlich, wo er kritisch nachfragt, etwa wenn es um Marketingversprechen rund um Resistenzzucht geht. Am Ende bleibt der gemeinsame Kern: Wer auf Dauer weniger Chemie einsetzen will, kommt an konsequenter Beobachtung, Selektion und sauberer Bruthygiene nicht vorbei.
Tags: Varroaresistenz, Biotechnik, Bannwabenverfahren, Brutpause, Schwarmvorwegnahme, Bruthygiene, VSH, SMR, Zuchtauswahl, Überwinterung, Thomas Rieck, Imkerei
Weitere Episoden von „Honigraum“
- 047 Sommer-Rückblick: was in dieser Saison funktioniert hat, und was nicht 29. August 2026
- 046 Vespa velutina Bekämpfung: was rechtlich erlaubt ist 26. August 2026
- 045 Mein Wintersitz: wie ich die Beuten vorbereite 26. August 2026
- 044 Die ersten 50 kg Honig: was machst du eigentlich damit? 18. August 2026
- 043 Honig verkaufen rechtlich: was du wirklich wissen musst 18. August 2026
- 042 Bienenkrankheiten erkennen: was du selbst diagnostizieren solltest 10. August 2026
- 041 Zweiter Bienenstand: wann er sich wirklich lohnt 10. August 2026
- 040 Bienenflucht einsetzen: bekommt man das ohne Stress hin? 3. August 2026
- 039 Wann und womit du die Restentmilbung richtig durchführst 31. Juli 2026
- 038 Gelée Royale: die teure Spezialnische der Imkerei 30. Juli 2026
- 037 Buckfast vs. Carnica: meine ehrliche Bilanz 27. Juli 2026
- 036 Warum manche Bienen sanftmütig sind und andere aggressiv 25. Juli 2026
- 035 Wintervorbereitung beginnt im August: der Fehler, den fast jeder macht 24. Juli 2026
- 034 Imker werden: würde ich es wieder so machen? 21. Juli 2026
- 033 Cremiger Honig herstellen 20. Juli 2026