Gezeugt, anerkannt, angefochten: Die harten Bandagen im deutschen Abstammungsrecht

Episode von Familie verfahren? Ein Blick hinter die Kulissen des Familienrechts von Christian Bruns · 1. Juli 2026 · 23 min

Zwei Männer, ein Kind. Der eine hat das Kind gezeugt, der andere lebt mit der Mutter zusammen und hat die Vaterschaft als Erster anerkannt. Wer von beiden ist der rechtliche Vater?

Lange Zeit galt im deutschen Familienrecht eine fast schon mechanische Regel: Wer zuerst beim Notar oder Jugendamt sitzt, gewinnt den sogenannten „Wettlauf um das Kind“. Der leibliche Vater hatte oft das juristische Nachsehen, sobald eine sozial-familiäre Beziehung zwischen dem Kind und dem anderen Mann entstanden war. Doch dieses System hat das Bundesverfassungsgericht gekippt.

In dieser Folge betreten wir den familiengerichtlichen Maschinenraum des Abstammungsrechts. Anhand der hochaktuellen Gesetzesreform, die am 1. April 2026 in Kraft getreten ist, sezieren wir die feinen Trennlinien der Vaterschaft. Wir klären, warum das Gesetz so strikt zwischen dem leiblichen, dem rechtlichen und dem sozialen Vater unterscheidet, warum taktische Vaterschaftsanerkennungen heute ins Leere laufen und unter welchen strengen Voraussetzungen das Gericht einen DNA-Test anordnet.

Ein sachlicher, praxisnaher Blick auf eine der komplexesten – und emotionalsten – Schnittstellen des gesamten Familienrechts.

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