Lokalisierung und Internationalisierung von Fahrerinformationssystemen
Episode von Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften - Digitale Hochschulschriften der LMU von Ludwig-Maximilians-Universität München · 13. Februar 2006
Ein Produkt, das auf verschiedenen Märkten eingeführt werden soll, kann bereits während der Entwicklung so gestaltet werden, dass eine nachfolgende Anpassung an die jeweiligen Märkte, die sogenannte "Lokalisierung", möglichst einfach durchgeführt werden kann. Diese Art der Produktentwicklung wird als "Internationalisierung" bezeichnet. In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, inwieweit kulturelle Unterschiede bei der Verwendung der Benutzeroberfläche von Fahrerinformationssystemen (FIS) existieren, vor allem in Bezug auf die Menüstruktur. Die dabei ermittelten Daten bildeten anschließend die Grundlage für eine beispielhafte Implementierung eines Systems mit internationalisierter Menüstruktur. Im Rahmen einer Online-Befragung unter BMW-Mitarbeitern in Deutschland, den USA und Japan wurden 47 Funktionen eines Fahrerinformationssystems in Bezug auf die fünf Parameter "Wichtigkeit", "Sichtbarkeit", "Häufigkeit", "sofort einzuschalten" und "Extraknopf" abgefragt. Immerhin 32% aller Funktionen wurden im Hinblick auf die drei Parameter "Wichtigkeit", "Sichtbarkeit" und "Häufigkeit" in mindestens zwei der Länder signifikant unterschiedlich eingeschätzt und 47% im Hinblick auf drei der fünf abgefragten Parameter. Die höchste Anzahl von Unterschieden wurde im Bereich "Kommunikation" festgestellt, gefolgt von "Unterhaltung". Dabei waren stärkere Abweichungen zwischen Japan und USA als zwischen Japan und Deutschland zu erkennen, am ähnlichsten waren die Antworten von Befragten aus Deutschland und den USA. Aus den erhobenen Daten wurden am Beispiel des Moduls "Unterhaltung" landestypische Menüstrukturen für Deutschland, USA und Japan abgeleitet und aus diesen eine allgemeine, den dreien zugrundeliegende Struktur. Diese Struktur wurde formalisiert und mittels Transformationen in die landestypischen Strukturen umgewandelt. Dies wurde mit Hilfe der Programme Extensible Markup Language (XML) für eine strukturierte Darstellung der Daten, Extensible Stylesheet Language Transformations (XSLT) und XML Path Language (Xpath) für das Transformieren eines Dokuments und Scalable Vector Graphics (auf XML basierende Auszeichnungssprache SVG) für das Erzeugen von Vektorgrafiken und Animationen durchgeführt. Damit wurde ein System implementiert, mit dem eine grundlegende Struktur durch Transformationen in eine landesspezifische Version umgewandelt werden konnte. Dadurch wurde unter anderem eine Trennung der Texte und Symbole von der Struktur erreicht, was eine spätere Übersetzung erleichtert und zugleich dafür sorgt, dass die Struktur selbst durch externe Scripte modifizierbar bleibt. So können im Rahmen einer Lokalisierung Änderungen leicht durchgeführt werden, ohne dass der Quellcode selbst geändert werden muss.
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