Generative KI und die Musikbranche: Die Musterklagen der GEMA
Episode von Digitalgespräch von Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung · 31. März 2026 · 50 min
Das "ganze Internet" als Basis für KI-Trainingsdaten zu nutzen, ist ein unvorstellbarer technischer Aufwand mit fraglichem Nutzen für die Qualität der Modelle, aber es gibt Entwickler für Systeme generativer KI, die behaupten, genau das getan zu haben – natürlich ohne die Inhaber von Rechten der so genutzten Medieninhalte um Erlaubnis zu fragen oder gar an Profiten zu beteiligen. Ob nun wirklich alle online frei verfügbaren Inhalte beim KI-Training zum Einsatz kommen, oder „nur“ ein großer Teil davon: dass KI-Entwickler beim Training und dem Betrieb ihrer Produkte nachweislich und systematisch geltendes Urheberrecht verletzen, hat nun erstmals ein Gericht geklärt, nämlich das Landgericht München. Geklagt hat die deutsche Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik, die GEMA, und zwar gegen den Tech-Giganten OpenAI und den Anbieter des nicht minder marktmächtigen KI-Produktes Suno AI, das für die voll-automatisierte Produktion von Musikstücken mittels Prompting verwendet wird. Für OpenAI liegt bereits ein Urteil vor, das Gericht hat im Sinne der Kreativen und Rechteinhaber entschieden. Im Fall von Suno AI steht die Entscheidung noch aus. In jedem Fall zeigen die internationalen Reaktionen aus Politik, Presse und der Branche: Die GEMA-Klagen sind ein wichtiger Meilenstein im Kampf um Anerkennung und Wert menschlicher kreativer Arbeit.
Dr. Kai Welp ist Chefjustiziar der GEMA. Im Digitalgespräch berichtet der Anwalt für Urheber- und Medienrecht von den beiden international aufsehenerregenden Klagen, die die GEMA im Winter 2024/25 gegen die KI-Entwickler hinter ChatGPT und Suno AI eingereicht hat und schildert, welche Argumente und Beweise er und sein Team in die Verhandlungen eingebracht haben. Er gibt Einblicke in die Überlegungen und Zielsetzungen hinter den Klagen und ordnet die Bedeutung der Verfahren auch auf internationaler Ebene ein. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Welp, wie faire Vereinbarungen zwischen Kreativen und KI-Entwicklern aussehen könnten, welche Werte und Leitgedanken die GEMA für Künstliche Intelligenz in der Kreativbranche vertritt – und warum er zuversichtlich ist, dass KI nicht zwangsläufig menschliche Kreativarbeit verdrängen wird.
Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-77-kai-welp
Link zur KI-Charta der GEMA: https://www.gema.de/de/aktuelles/ki-und-musik/ki-charta-der-gema
Link zum Dossier „KI in der Musik“ auf der Webseite der GEMA: https://www.gema.de/de/aktuelles/ki-und-musik
Link zu den Key Facts der in dieser Folge besprochenen Studie im Auftrag von GEMA und SACEM: https://www.gema.de/documents/d/guest/gema_sacem_goldmedia_ki-und-musik-key-facts-pdf
Weitere Episoden von „Digitalgespräch“
- Absehbar unabsehbar: Was kommt wirklich, sobald Quantencomputer einsatzbereit sind? 13. Oktober 2026
- Intellektuell souverän? Lehre an Hochschulen und generative KI 22. September 2026
- Digitales Bezahlen 4. August 2026
- Kunstwerke als Mittel forschenden Nachdenkens über KI 14. Juli 2026
- Moderne Robotik: Leistungssprünge durch KI 23. Juni 2026
- Der „Blaue Engel“ für Software 2. Juni 2026
- Synthetische Daten: Was macht sie aus und wie kommen sie im KI-Training zum Einsatz? 12. Mai 2026
- Digitaler Zugang zu Kulturgütern 10. März 2026
- Maschinelles Lernen im Umweltmonitoring 14. März 2023
Alle Episoden von Digitalgespräch · Mehr Wissenschaft-Podcasts