Digitales Bezahlen
Episode von Digitalgespräch von Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung · 4. August 2026 · 44 min
Wir geben alltäglich Geld aus. Die Forschung hat gute Einblicke, welche Bevölkerungsgruppen dafür welche Bezahlmöglichkeiten nutzen – Bargeld ist nur eine davon, aber mitnichten überholt! Dass es für viele Menschen gute Gründe gibt, nicht digital zu bezahlen, hat nicht nur, aber auch mit den Geschäftsmodellen von Banken und Bezahldienstleistern zu tun: Ihre Produkte nutzen vor allem gut ausgebildeten Menschen mit hohen Einkommen, Zinsen oder Gebühren treffen andere mitunter hart – sofern sie überhaupt Zugang haben zu digitalen Bezahlmethoden, denn auch das ist eine soziale Frage. Schaut man genau hin, wie digitales Bezahlen funktioniert, stellen sich Gerechtigkeitsfragen, werden unterschiedlichste Interessen offenbar, und tritt ein weiterer guter Grund zutage, mit Nachdruck an europäischen Bezahlsystemen zu arbeiten. Freilich merkt man der Debatte um beispielsweise den digitalen Euro an: für die meisten Befürworter steht die digitale Souveränität Europas im Fokus. Die vernachlässigten Themen der Sozialverträglichkeit und Inklusion beim Zahlungsvorgang selbst könnten aber mit der Einführung einer europäischen Lösung fürs digitale Bezahlen mit adressiert werden – sofern bei der konkreten Ausgestaltung die Interessen aller berücksichtigt werden.
Barbara Brandl ist Professorin für Wirtschaftssoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und arbeitet unter anderem zu sozialen Ungleichheiten in digitalen Bezahlpraktiken. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie digitales Bezahlen in unserer Gesellschaft organisiert ist, welche Möglichkeiten der Verbraucher dabei hat und wie sie sich unterscheiden, und warum Bargeld auch weiterhin große Bedeutung behält. Sie schildert, was Hürden bei der Einführung eines digitalen Euros sind, und was Europa aus Erfahrungen lernen kann, die andere Weltregionen mit digitalem Bezahlen bereits gemacht haben. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Brandl, an welche Grenzen der Verweis auf individuelle Verantwortung stößt, wenn es darum geht, sich unfairen Geschäftsmodellen zu entziehen, wem es nutzt, dass das Bezahlen zunehmend subtil mit der Aufnahme eines Konsumkredits verknüpft wird, und warum oft ausgerechnet die Personengruppen, die besonders von einem digitalen Euro profitieren könnten, angesichts seiner Ankündigung besonders skeptisch sind.
Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-082-barbara-brandl
Link zur ZEVEDI-Projektgruppe "Die normativen Dimensionen des digitalen Euro" (DINO): https://zevedi.de/themen/dino/
Link zum Podcast "Digitalgelddickicht", der sich detailliert dem Thema des digitalen Bezahlens widmet: https://zevedi.de/podcast-digitalgelddickicht/
Link zum ZEVEDI-Diskurs-Projekt "Demokratiefragen des digitalisierten Finanzsektors – eFin & Demokratie": https://zevedi.de/themen/efin-und-demokratie/
Link zum Weizenbaum Discussion Paper „Von der Kreditkarte zu Buy-Now-Pay-Later. Soziale Ungleichheiten in der Nutzung von digitalen Bezahldiensten und Konsumkrediten“: https://www.weizenbaum-library.de/server/api/core/bitstreams/dd2a68d8-d12e-4a48-ae49-f5bfc92c5272/content
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