Verfolgt, verhört, verurteilt: Hexenverfolgung in Hessen

Episode von Aufgeschlossen - Türen zur Geschichte von Aufgeschlossen - Türen zur Geschichte · 30. September 2026 · 49 min

Wie entstand der Glaube an Hexen – und wie konnte aus Vorstellungen von Magie, Teufelspakt und Schadenszauber ein Verbrechen werden, für das Menschen verfolgt, gefoltert und hingerichtet wurden? Und was verraten uns die überlieferten Akten heute über die Mechanismen der Hexenverfolgung?

In dieser Folge von „Aufgeschlossen – Türen zur Geschichte“ werfen wir gemeinsam mit Dr. Karl Murk vom Hessischen Staatsarchiv Marburg und dem Historiker Dr. Ronald Füssel einen Blick auf die Geschichte der Hexenverfolgung und auf konkrete Fälle aus hessischen Gebieten.

Dabei räumen wir auch mit verbreiteten Vorstellungen auf: Hexenverfolgungen waren kein ausschließlich mittelalterliches Phänomen und gingen keineswegs nur von der katholischen Kirche aus. Vielmehr entwickelte sich der Hexenglaube über Jahrhunderte aus Vorstellungen von Zauberei, Häresie und dem Bund mit dem Teufel. Wirtschaftliche Not, Missernten, Krieg und gesellschaftliche Krisen konnten Verfolgungswellen zusätzlich begünstigen.

Doch wie wurde aus einem Gerücht ein Gerichtsverfahren? Welche Rolle spielten der „Hexenhammer“, die Strafgerichtsordnung Carolina, Zeugenaussagen und sogenannte „Besagungen“? Und welche Bedeutung hatten Folter, Geständnisse und Verteidigung vor Gericht? Am Beispiel der 1655 bei Marburg der Hexerei beschuldigten Elisabeth Seip zeigt die Folge eindrücklich, wie umfangreich solche Prozesse sein konnten – und wie aus der Beschuldigung einer einzelnen Person weitere Verfahren entstehen konnten.

Prozessakten, Verhörprotokolle und Chroniken machen zugleich die Schicksale der Betroffenen sichtbar. Sie zeigen, dass Frauen ebenso wie Männer und sogar Kinder in die Verfolgungen hineingezogen wurden – und dass hinter dem heute oft klischeehaft dargestellten „Hexenwahn“ reale Menschen, soziale Konflikte und tödliche Konsequenzen standen.

Die Folge zeigt, wie sich Angst, Glaube, gesellschaftliche Krisen und Rechtsprechung gegenseitig verstärken konnten – und wie sich der Umgang mit Hexerei im Zuge der Aufklärung schließlich veränderte. Gleichzeitig wird deutlich, welchen besonderen Wert die im Hessischen Landesarchiv überlieferten Quellen für das Verständnis dieses dunklen Kapitels der Geschichte besitzen.

Mehr Informationen zu dieser Episode und zu den Beständen des Hessischen Landesarchivs findet ihr auf der Website des Hessischen Landesarchivs (landesarchiv.hessen.de) sowie auf hla-media.de. Abonniert „Aufgeschlossen – Türen zur Geschichte“ auf Spotify, Apple Podcasts oder der Plattform eurer Wahl, um keine Folge zu verpassen.

Shownotes:

Die Prozessakten zum Fall der Elisabeth Seip sind im Hessischen Staatsarchiv Marburg im Bestand 260 Marburg, Nr. 199 und 560 zu finden:

https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=850542&executionId=V3YvexqfHL

https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=3951531&executionId=wXifKJXWHN

Die Online-Ausstellung „Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk“ – Hexenglaube und Hexenverfolgung in Hessen – Ausstellung des Staatsarchivs Marburg ist unter folgendem Link zu erreichen: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/hexenverfolgung

Zur Publikation: Murk, Karl (Hg.): Hexenglaube und Hexenverfolgung im regionalen und interdisziplinären Vergleich, Marburg 2022: https://landesarchiv.hessen.de/geschichte-erleben/neuerscheinungen-2023-02

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