Die wahren Kosten der Warteschlange
Episode von Smarter Entwickeln! Podcast über Produktentwicklung in Maschinenbau und Elektrotechnik, Produktmanagement, Business Strategie, Lean und Agile von Jan-Florian Kuhnke. Entwickler aus Leidenschaft, Berater und Coach für Produktentwicklung in der Industrie. · 6. Februar 2018 · 16 min
Die Echten Kosten der Warteschlangen Heute will ich mal ein paar Dinge zusammenziehen, die ich in den vergangenen Episoden vorbereitet habe. Aber zuerst: Zwei Geschichten: Oma und Kleinfritzchen gehen auf dem Fußweg. Kleinfritzchen sieht einen Hunderteuroschein auf der Straße liegen und will ihn aufheben. Oma lässt ihn nicht und zieht ihn weiter. Kleinfritzchen meckert und zetert aber Oma sagt: Den Hunderteuroschein gibt es nicht, denn wenn es ihn gäbe hätte ihn schon jemand mitgenommen. Keiner lässt doch einen Hunderteuroschein liegen. Neben dem Fußweg herrscht Stau in der Stadt. Zu viele Autos wollen die Einfallstraße reinfahren und der Verkehr steht. In jedem Auto sitzt eine Person. Eine Handwerker, eine Ärztin, ein Lehrer, eine Ingenieurin, Programmierer, Erzieher, Händler, der Stau ist ganz demokratisch, jeder hat seinen eigenen Stehplatz auf der Fahrbahn. Wenn man sich mal den Stundenlohn zusammenrechnet, der hier verprasst wird, ist das schon faszinierend. Ach nehmen wir nicht den Lohn, sondern die Kosten für den Arbeitgeber mit Steuern, Nebenkosten und Overhead. Da sind wir bei schnell bei EUR 200 pro Fahrzeug und Stunde. Ein Fahrzeug ist 5 m lang, also EUR 40 pro Meter Fahrbahn. EUR 40 000 pro Kilometer. EUR 80 000 für zwei Spuren. Morgens und Abends, fünf Tage die Woche. EUR 800 000. Und alles nur wegen einer Baustelle, ein Rohr ist geplatzt, die Straße wurde aufgegraben, notdürftig geflickt aber bis die Reparatur endlich fertiggestellt werden kann und die Straße wieder freigegeben wird muss noch das Bautrupp noch woanders fertig werden. 10 Wochen dauert das. 8 Millionen. Die Wartezeit ist ein Vielfaches teurer als die direkten Kosten der Baustelle. Aber die Kosten sieht die Stadt ja nicht und zahlt die Stadt ja nicht. Wartezeit kostet. Viel, viel mehr als die Baustelle selber. Die Zeit, die die Leute nicht arbeiten konnten sind Opportunitätskosten. Cost of Delay, die Kosten, dafür, dass sie im Stau feststeckten.
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