S2 Ep. 5: Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze | Netzkapazität, das Fair Grid Projekt und Wasserstoff im Hamburger Hafen

Episode von Smart Charge by RiDERgy von Claudio Geyken · 24. August 2026 · 59 min

Rund 1.800 Megawatt liegen heute gleichzeitig im Hamburger Netz an, und bis 2045 rechnet man mit fast dem Dreifachen. Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, erklärt, warum die verfügbare Netzkapazität damit nicht mehr für alle Anschlussanfragen reicht und wie ein neues, faires Vergabeverfahren das bisherige Windhundprinzip ablöst.

Aktuell liegt die gleichzeitige Last im Hamburger Netz bei 1.800 Megawatt, und mit den Zielszenarien aus kommunaler Wärmeplanung und industrieller Dekarbonisierung rechnet Michael mit einer knappen Verdreifachung. Statt die verbleibende Kapazität einfach nach Anfrage zu vergeben, setzt die Hamburger Energienetze mit dem Fair Grid Projekt auf ein programmatisches Repartierungsverfahren, das Kapazität fair und transparent verteilt, ein Ansatz, den auch Berlin bereits verfolgt. Für Batteriespeicher fordert Michael klare Regeln statt reiner Marktsteuerung: Wer eine Ausnahme von den Netzentgelten erhält, sollte auch bereit sein, sich netzdienlich einbinden zu lassen, inklusive einer Vergütung für den dadurch vermiedenen Netzausbau.

Ein zweiter Schwerpunkt ist Wasserstoff. Nach einer Phase der Euphorie und anschließenden Ernüchterung sieht Michael die Branche aktuell wieder im Aufwind. Die Hamburger Energienetze bauen ein bis zu 60 Kilometer langes Wasserstoffnetz für den Hamburger Hafen, dessen hohe Industriedichte und ein Gasdurchsatz von 8 bis 9 Terawattstunden den Umstieg vieler Industriekunden von Erdgas auf Wasserstoff ermöglichen und das Stromnetz entlasten sollen. Außerdem geht es um E.Round, die Backend Plattform der Hamburger Energienetze für Ladeinfrastruktur, die im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Ladevorgänge gesteuert hat und heute auch anderen Unternehmen und Flughäfen zur Verfügung steht, um bidirektionales Laden, das Michael als große, aber noch frühe Chance einordnet, und um die eigene Flotte der Hamburger Energienetze, wo Winterreichweite und Ladelogistik für Techniker im Außendienst die größte Herausforderung sind.

Eine Folge über die Grenzen der verfügbaren Netzkapazität, und darüber, warum eine Energiewende ohne klare Prioritäten und ausreichend Vorbereitungszeit nicht schneller, sondern langsamer wird.

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