Sarah Schönbauer: Meeresforschung zwischen Wissenschaft und Aktivismus
Episode von RMZ Science Works von Robert K. Merton Zentrum für Wissenschaftsforschung · 30. April 2025 · 34 min
Der Klimawandel führt zu vielschichtigen und komplexen Veränderungen. Diese Veränderungen bringen unter anderem soziale, epistemische, ökonomische und politische Auswirkungen mit sich. In diesem Vortrag konzentriere ich mich insbesondere auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wissenschaftswelt und die Positionierungsarbeit von Wissenschaftler*innen. Ich frage: wie nehmen Wissenschaftler*innen Umweltveränderungen wahr und was sind die sozialen und erkenntnistheoretischen Dimensionen dieser Wahrnehmung? In meiner Fallstudie, finanziert durch ein Erwin-Schrödinger Postdoc Stipendium (FWF Austria), beschäftige ich mich mit Meeresforscher*innen und ihren Umgang mit auf den Klimawandel zurückzuführenden Umweltveränderungen in Meeres- und Polarregionen.
Das Meer ist geprägt von rapiden und vielfältigsten Umweltveränderungen. Die Meereswissenschaftler*innen die ich porträtiere, sind meist tief berührt, wenn nicht sogar erschüttert von dem, was sie untersuchen. Diese emotionalen Erfahrungen fließen in ihre Forschungen sowie in die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit und in Protestaktionen ein. Meeresforscher*innen untersuchen Umweltveränderungen im Rahmen ihrer Feldforschung, publizieren ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und teilen ihre Forschung als öffentliche Fürsprecher*innen. Darüber hinaus protestieren sie für die Einführung politischer Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung dieser Umweltveränderungen.
Meeresforscher*innen positionieren sich daher sowohl als traditionelle Wissenschaftler*innen als auch als Aktivist*innen. Ich konzeptualisiere die Erfahrungen und Handlungen der Forscher*innen als Umwelt-Engagement (engl. environmental engagement) und stelle entlang dieses Konzepts zwei Formen des Umwelt-Engagements vor, in der Forschung und in Protestaktivitäten. Ich zeige, dass Umwelt-Engagement sowohl kollektivierende Effekte haben und coping Mechanismen bedienen kann, dass es aber ebenso in eine wettbewerbsorientierte wissenschaftliche Arbeitsrealität eingebettet ist. Meine Studie liefert neue Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Umweltveränderungen, wissenschaftlicher Arbeit und Protestaktivitäten in Zeiten des Klimawandels. Meine Ergebnisse werde ich als Blaupause für andere Disziplinen weiterdenken. Nicht nur die Meereswissenschaft, sondern auch die Wissenschafts- und Technikforschung muss sich fragen wie eine Positionierung in sich ständig wandelnden Klimawelten gelingen kann und welche Formen des Umwelt- Engagements es dafür braucht.
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