Christoph Kamps: Warum wir ab 50 neue Vorbilder brauchen und wo wir sie finden

Episode von LIVVING Podcast - Wie wollen wir in Zukunft leben? von Claudia Mattheis, Siegbert Mattheis · 28. April 2026 · 26 min

Warum uns im Alter die richtigen Bilder fehlen und was passiert, wenn wir sie endlich finden.

„Ach, das kann ich nicht mehr.“ Dieser Satz klingt wie eine Tatsache. Doch dahinter steckt oft kein körperliches Unvermögen, sondern etwas viel Subtileres: das Fehlen von Menschen, an denen wir sehen könnten, dass es eben doch geht. Christoph Kamps, Politologe, Unternehmer und Besitzer vom Schloss Selchow, einem generationsübergreifenden Retreat im Berliner Umland, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, warum uns gerade im Alter die richtigen Bilder fehlen. Und was passiert, wenn wir sie endlich finden.

Warum wir Christoph Kamps eingeladen haben

LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis traf Christoph Kamps bei einem Vortrag. Eine Frage ließ sie nicht mehr los: Warum brauchen wir in jeder Lebensphase Menschen, an denen wir uns orientieren können? Und warum fehlen uns diese Menschen gerade dann, wenn wir sie am meisten brauchen?

Kamps, Jahrgang 1970, hat in 25 Jahren acht Unternehmen gegründet, war mit seiner Agentur KMB früh Trendsetter im Influencer-Marketing und engagiert sich heute am Institut für Generationenforschung. Er bringt eine seltene Kombination mit: unternehmerische Tiefe, wissenschaftliche Neugier und die ehrliche Bereitschaft, über die eigene Lebensphase zu sprechen. Mit Schloss Selchow hat er zudem einen Ort geschaffen, der selbst Antwort gibt auf die Frage, wie generationsübergreifendes Leben heute aussehen kann.

Die wichtigsten 5 Erkenntnisse aus dem Interview

Role Models sind nicht dasselbe wie Vorbilder: Das klassische Vorbild ist moralisch aufgeladen und kaum erreichbar. Ein Role Model bildet eine einzelne Rolle ab. Davon können viele gleichzeitig wirken. Und entscheidend: Wir suchen sie uns selbst aus.

Im Alter fehlen uns die richtigen Bilder: Unsere Gesellschaft ist auf Jugend ausgerichtet. Ältere Menschen sind in sozialen Medien und im öffentlichen Leben kaum sichtbar. Wenn vertraute Orientierungspunkte wegfallen, zum Beispiel durch Renteneintritt oder den Verlust von Partnern, stehen viele plötzlich ohne Landkarte da.

Selbstwirksamkeit nimmt im Alter ab, wenn Role Models fehlen: Wer keine Menschen sieht, die in ähnlicher Lage Dinge erreichen, verliert den Glauben daran, dass er es selbst noch kann.

Role Models öffnen einen Möglichkeitenraum: Nicht irgendwelche Vorbilder, sondern solche, die uns ähnlich sind: im Alter, in der Lebenssituation, in den Einschränkungen. Durch diese Identifikation wird abstrakte Möglichkeit zu realistischer Perspektive.

Die Generation 50 plus heute ist anders als alle vor ihr: Sie istkörperlich und mental fitter, im Wohlstand aufgewachsen, und bereit, das Rentenalter als aktiven Lebensabschnitt zu begreifen. Die Bilder dafür müssen jetzt erst noch entstehen.

Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten

Christoph Kamps spricht nicht von oben herab. Er spricht aus der Mitte seines eigenen Lebensumbruchs: über Melvin van Peebles und Nietzsche, über Schloss Selchow und die Frage, warum das Wichtigste im Leben nicht der Ort ist, sondern die Menschen drumherum. Und darüber, wie anstrengend es wirklich ist, soziale Kontakte über Generationen hinweg zupflegen. Wer sich fragt, was das Leben ab 50 eigentlich noch alles sein kann, findet in diesem Gespräch keine fertigen Antworten. Aber sehr gute Fragen.

Weitere Informationen

Webseite Schloss Selchow: www.schloss-selchow.de

LinkedIn Profil Christoph Kamps: https://www.linkedin.com/in/christoph-kamps-5106b09/

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