Norbert Gstrein über seinen Roman »Im ersten Licht«
Episode von literaturcafe.de - Bücher lesen, Bücher schreiben von literaturcafe.de · 25. März 2026 · 27 min
Wolfgang Tischer hat sich für den Podcast des literaturcafe.de mit Norbert Gstrein über die Entstehung des Werkes und die ambivalente Hauptfigur Adrian Reiter unterhalten.
»Im ersten Licht«, erschienen im Hanser Verlag, gehörte zu den fünf nominierten Romanen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 und das Gespräch entstand kurz vor der Preisverleihung. Im Interview auf der Messe erzählt Norbert Gstrein, wie ihn die britische Perspektive auf den Ersten Weltkrieg seit den 1990er Jahren nicht mehr losgelassen hat – eine Obsession, die sich in jahrzehntelanger Lektüre niederschlug und schließlich zur Keimzelle des Romans wurde. Warum musste der Blick auf den Krieg zwingend der eines Mannes sein, der selbst nicht gekämpft hat? Und was haben die britischen Kriegslyriker Wilfred Owen, Siegfried Sassoon und Robert Graves mit den Albträumen seiner Hauptfigur zu tun?
Roman »Im ersten Licht« von Norbert Gstrein, erschienen im Hanser Verlag
Roman »Im ersten Licht« von Norbert Gstrein, erschienen im Hanser Verlag
Gstrein spricht über seine bewusste Entscheidung gegen eine sympathische Identifikationsfigur: Adrian Reiter ist kein Held, kein Widerstandskämpfer, sondern ein Mitläufer – einer, der sich chamäleonartig durch das 20. Jahrhundert laviert. Gerade darin liegt für Gstrein die eigentliche Herausforderung an die Lesenden: Wie schnell und wie billig beantworten wir die Frage, was wir »damals« wohl getan hätten? Positive Romanfiguren machen es uns leicht, moralisch korrekt zu antworten. Aber so leicht will es Gstrein den Lesenden nicht machen.
Im Mittelpunkt des Romans stehen drei junge Männer, die in den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts gekämpft haben und denen Adrian auf unterschiedliche Weise begegnen wird und die sein Leben für immer verändern werden.
Außerdem geht es im Gespräch um Norbert Gstreins Arbeitsmethode – das lineare Schreiben, das Vertrauen in frühe Setzungen, die sich später erfüllen, die Suche nach dem richtigen Erzählton. Und warum wird im Roman bei jeder Jahreszahl erwähnt, dass die Hauptfigur nur ein Jahr jünger als das Jahrhundert ist?
Hören Sie das vollständige Gespräch mit Norbert Gstrein über seinen Roman »Im ersten Licht« im Podcast des literaturcafe.de. Geführt wurde es am 19. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse
Norbert Gstrein: Im ersten Licht. Gebundene Ausgabe. 2026. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446282971. 27,00 €
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